Restaurant Calabria Wiesbaden

Heute waren wir zu zweit mit dem Schlemmerblock im Calabria in Wiesbaden Aarstraße 30. Es war kurz nach 12, wir kamen vom Sport und hatten beide mächtig Hunger. Wir bekamen sofort einen Tisch, das Lokal war noch nicht zur Hälfte besetzt. Die Bedienung war sehr freundlich, aufmerksam und echt auf Zack. Man stellte uns eine Tageskarte hin, von der haben wir dann auch ausgesucht, die andere Karte hätte ich mangels Lesebrille vermutlich doch nicht entziffern können.

Das Erdinger Alkoholfrei war gut gekühlt. Nach einem ausgezeichneten Vitello Tonnato gab es für meine Frau Zander und für mich Lammrückenfilet. Wir staunten nicht schlecht, als die Portionen kamen. Mit Mühe schafften wir es, den Teller leer zu essen. Damit hätten wir nicht gerechnet, hier hat am heutigen Tag alles gestimmt. Sehr gut, weiter so!

schwarz

Heute früh, beim Betreten der Umkleide unseres Fitnessstudios musste ich kopfschüttelnd die neue Farbe zur Kenntnis nehmen, mit der nun der ganze Laden gestrichen ist. Ich denke laut vor mich hin: „Schwarz, haben diese Vollpfosten sie eigentlich noch alle? Streichen alles schwarz, in einer Umkleide, wo man ja wenigstens ein bisschen was sehen will. Stockdunkel ist es hier. Wie kann man denn alles schwarz malen?“ Ein anderer Gast hört das und entgegnet mir: „Ich hab kein Problem mit schwarz.“ Ich schaue ihn an und bin für einen Moment sprachlos. Der Mann hat schwarze Haut. Wir mussten beide lachen.

Der Tieflader

Vergangenen Samstag haben wir noch einmal das Foto auf dem Tieflader nachgestellt:

Vor 50 Jahren wurden wir so ähnlich schon einmal aufgenommen:

 

Der Tieflader ist noch genau der selbe. Lediglich das Auflageholz vorne und hinten wurde vom Meister einmal ersetzt. Die Grabsteine hatten sie weggerubbelt. Im Hintergrund hat es das SPORTPLATZ-Schild gekostet und natürlich die Sauerkirschbäume vom Nachbarn, unserem „Onkel Richard“.

Mühelos den Berg hinauf

Heute, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, fuhr ich mit dem Rad durch Martinsthal. Dort überholte ich einen dunkelhäutigen jungen Mann auf dem Fahrrad, das Fahrrad optisch und akustisch längst mit allen Komponenten weit über der Verschleißgrenze. Den sehe ich nicht mehr, denke ich mir so, als ich vorbeifahre und grüße freundlich. Der junge Mann grüßt zurück. Ich muss dann in Schlangenbad links ab und schaue zwischendurch ein-zweimal zurück, ob ich ihn  noch sehe, mit seiner grünen Adidas-Schirmmütze. Tatsächlich, er bleibt dran. 50m vor dem Ortseingangsschild in Schlangenbad hat er mich wieder. Seine Reifen seien fast platt, erklärt er mir. Auf die Frage Auto oder Presta sagt er Auto, also kann ich ihm Luft anbieten. Wir pumpen das Vorderrad auf, ich will das Hinterrad auch aufpumpen, da schaut mich schon der Schlauch aus zwei fetten Löchern der Flanken an. Forget about it denke ich mir, das wird nix. Wir fahren weiter, dabei stellen wir fest, dass wir beide nach SWA müssen, er wohnt dort im Flüchtlingsheim. Die Steigung von Schlangenbad nach Bärstadt hoch ist jeden Tag das Highlight unseres Heimweges. Dort schalte ich schön aufs kleine Kettenblatt und hinten auf eines der größten drei, dann gehts den Berg hinauf. Der junge Mann, wie sich herausstellt, Marathonläufer aus Äthiopien, geht einfach kurz aus dem Sattel, wenn er es im Sitzen nicht mehr schafft. Und erzaehlt munter weiter, von der Flucht aus Äthiopien, durch den Sudan, die Sahara nach Libyen, in einer Nussschale übers Meer nach Italien, Frankreich Deutschland. So erreichen wir flott Bärstadt und bis zu uns und einem heißen Tee ist es nicht mehr weit. Ich stelle ihm die Schaltung ein, montiere einen neuen Reifen, der alte ist wirklich durch. Mit seinem Rad wäre ich noch nicht einmal um den Block gefahren. Von seinem Hobby, dem Laufen hat er mir erzählt. Den Gickellauf hat er gewonnen, 2015. Ich hab nachgeschaut, es stimmt.

Mein erster persönlicher Kontakt zu einem Flüchtling

update vom Herbst 2017: den Koblenz Marathon hat er gewonnen, in 2:46. Respekt. Zum nachlesen hier klicken.

Miedzyzdroje – Pomorze Zachodnie

Die polnische Ostsee war uns ja bereits von der „Frischen Nehrung“ und Danzig bekannt, jetzt ging also in den fast westlichsten Teil, den Polen zu bieten hat, Miedzyzdroje, aka Misdroy. Die Unterkunft war im großen und ganzen so wie gebucht, die Bilder der Webseite natürlich aufpoliert, auf einem das Nachbargebäude mit Software entfernt. Gut, die Zimmer waren sehr hellhörig, man konnte schon erkennen, ob er oder sie im Nachbarzimmer das Bad benutzte, die Details erspare ich Euch. Das Bad insgesamt etwas eng geschnitten, Balkon oder Terrasse gab es nicht, war aber auch nicht Bestandteil des Angebotes. Parksituation war wochenends angespannt, Küche enthielt die Basics, einen Schneebesen bekamen wir auf Nachfrage dazu. Alles noch ok, nochmal würde ich allerdings hier nicht hinfahren.

Die Menschen werden unterschieden zwischen den Eingeborenen, die hier leben und arbeiten und den letnicy (also den Sommerleuten, die nur zum Urlaub da sind). Von letzteres kommt ein beträchtlicher Anteil aus Deutschland. Alle waren sehr freundlich, am Gespräch interessiert. Mehrfach passiert es mir, dass meine drei, und viel mehr sind es wirklich nicht, Brocken polnisch gelobt werden und ich das auch verstehe. Smalltalk klappt ganz gut, aber am Telefon wirds dann schon schwierig.

Die Natur: Großartig, liegt bestimmt auch etwas an der Jahreszeit, es ist Anfang Juni, alles ist grün. Die Natur explodiert geradezu vor Wachstum. Die Wälder mit ihren Kiefern, Buchen und Eichen sind wirklich ein Traum. Wir halten es wie immer, fahren einen Tag mit dem Rad, den anderen gehen wir mit Rucksack und Wanderschuhen. Am Strand kann man letztere ausziehen. Zur Natur gehören aber auch Dinge, die hier vor 70 Jahren in die Küste hineinbetoniert worden sind, Bunker, Verteidigungsanlagen mit allen möglichen Hilfsgebäuden. Abschussrampen für die V3-Kanone. Da steht soviel Beton, da würde man die komplette Küste wegsprengen, wenn man das rückbauen möchte. Das ist kaum zu glauben. Also lässt man es lieber stehen und wartet darauf, dass sich die Natur einen Teil wieder zurückholt, das ist voll im Gange. Den anderen Teil kann man ausstellen und Besucher reinschicken, so hat man ein paar Arbeitsplätze. Ja, dass hier einmal alles deutsch war, sieht man im kleinsten Dorf, wenn am sklep spozywczy der gemalte Schriftzug Kolonialwarenladen noch sichtbar ist.
Durch Miedzyzdroje geht im übrigen auch ein Teil des Jakobsweges. Er ist sehr deutlich an der Jakobsmuschel zu erkennen. Wir sind auf dem Weg nach Swinoujscie ein paar Kilometer dem Zeichen gefolgt.

Auch Natur: Wer die Straßen verlässt und in den Wald geht, womöglich noch ein paar sumpfige Wege begeht/befährt, so wie heute auf dem roten Szlak zwischen Miedzyzdroje und Lunowo, der sprüht oder reibt sich besser mit Autan ein. Dann bleiben wenigstens die Moskitos (komary) von einem fern, gegen Pferdebremsen hilft das leider nicht, die muss man erschlagen, wenn man Zeit hat und nicht lenken muss.

Der Tourismus: Hier in Miedzyzdroje hat man sich ziemlich auf Massentoruismus eingestellt, man muss den Ort tagsüber nicht verlassen. Da wechseln sich kleine Spielhallen ab mit normalen Eisdielen, Waffelbäckereinen und diesen Softeisautomaten, in der Nähe der Mole auch noch mit Cafes. Man braucht nichts mehr mitzubringen, es gibt alles für den Strand zu kaufen. Der Fisch am Ende der Strandpromenade war allerdings lecker und einen echten Ausfall bei einem der Lokale konnten wir nicht feststellen. Will man mit Metallbesteck speisen, sollte man sich das mitbringen, so wie wir. Ansonsten gibts dort Plastik. Mit Einbruch der Dämmerung wird der Ort/die Kurpromenade von einer Rotte Wildschweine heimgesucht, die wühlen die Mülltonnen durch und veranstalten einen ziemlichen Dreck. Da passierte nichts, aber die Saison hat ja auch noch nicht richtig begonnen.

Der Strand ist groß und schön, manchmal am Wasser etwas gemüsig. Nachmittags am Strand waren wir nur am letzten Tag, im Wasser war nur meine Frau, ich lag lieber im Schatten und habe gechillt. Wenn Wind ist kann man super den latawiec aka kite fliegen lassen. Ob Wind da ist, kann man auch gut in der Webcam sehen, den später dort fliegenden Drachen natürlich auch. Einige Kitesurfer gab es auch zu sehen, die waren aber etwas weiter entfernt, so dass man keine Details erkennen konnte. Eine Kiteschule gibts aber auch hier.

Der Weg nach Swinoujscie führte ein Stück weit über den Jakobsweg.

Die Kette war eh an der Verschleißgrenze, nach dem Urlaub wird alles getauscht.

Chillen am See.

Sonnenuntergang am Strand.

Würden wir wiederkommen? Also ich glaube, nach Miedzyzdroje eher nicht, nach Swinoujscie schon, da waren wir am 1. Juni, mit den Rädern, das hat uns etwas besser gefallen. Aber die Ostseeküste ist lang und wir haben längst noch nicht alles besucht.