Fritz Mattke (1932-2024)

Unser Bandleader Fritz ist vergangen Mittwoch kurz vor seinem 92. Geburtstag gestorben. Ich bin unendlich dankbar, diesen Menschen gekannt zu haben. Nicht zuletzt, weil er mich in seiner, in unserer Big Band am zweiten Tenorsaxophon hat mitspielen lassen obwohl ich nur unterdurchschnittliche musikalische Begabung mitbrachte. Er nahm darauf Rücksicht. Die meisten Noten, die wir spielten, waren von ihm selbst geschrieben. Er hat mir sie so geschrieben, dass ich sie auch spielen kann. Bei unserer letzten Begegnung am 27. April habe ich ihm das auch gesagt und mich bedankt. Fritz, vielen Dank für die vielen gemeinsamen Jahre.

mit meinem xyz-mobiltelefon verwendet

Wie lange gibts jetzt schon Mobiltelefone? Und welche mit Mailfunktion? Bestimmt auch schon 15 Jahre. Fällt das nur mir auf, diese automatisch eingefügte Fußzeile „mit meinem Birnentelefon versendet“? Geht das niemand sonst auf den Nerv? Ich referenziere nochmal auf die rfc1855 mit der 4 Zeilen Signatur-Netiquette. Für mich hat das noch Bestand. Wenn Du das liest, vielleicht auch für dich?

Schwalbe Ice-Spiker Pro Reifen wechseln

Der Winter scheint vorbei. Ich bin ein paarmal mit den Spikes zur Arbeit gefahren, aber jetzt müssen sie runter. Dunkel erinnere ich mich daran, dass die schwer runtergehen, aber wenn es dann losgeht und man nicht vorwärts kommt, möchte man Reifen und Felgen, eigentlich alles, am liebsten mit der Flex zerschneiden. Aber Ruhe bewahren. So geht es nämlich auch:

Zuerst baut man die Laufräder aus, lässt die Luft ab, aber richtig. Dann legt man die Laufräder für einen Tag in den Heizungsraum, dass sie richtig warm werden. Dann kann man mit den Händen und viel Geduld die Reifenflanke in die Mitte drücken, immer wieder die Stelle etwas verschieben und ein paar Sekunden den Druck halten. Dann gibt der Reifen irgendwann nach. Glaubt mir. Der Rest ist dann wie immer, wenn erstmal eine Seite in der Mitte ist und man den Schlauch rausnehmen kann. Dann löst sich auch die andere Seite und man kann die Sommerwalzen wieder aufziehen, die man natürlich auch im Heizraum gelagert hat. Das dürfte klar sein, oder? Viel Glück

elektronisches Bürger- und Organisationspostfach

das o.g. Postfach, abgekürzt eBO findet man hier: https://egvp.justiz.de/buerger_organisationen/index.php

Unter diesem Link werden drei Angebote gemacht für die jeweils Kosten entstehen. Kommt für mich nicht in Frage. Dort weist man aber auch auf ein Justizpostfach hin, das unter mein.justizpostfach.de oder dem Link https://ebo.bund.de/#/ zu finden ist.

Dort kann man sich ein Postfach zur Kommunikation mit der Justiz einrichten. Das ist allerdings alles andere als einfach. Und so schnell, wie ich das hier im folgenden beschreibe, ging das bei mir auch nicht.

Zuerst braucht man ein Konto bei https://id.bund.de/de. Dieses Konto erfordert einen neuen Personalausweis (PA), die PIN dazu und ein Gerät, mit dem dieser ausgelesen werden kann. Die neuen Smartphones können das, zusammen mit einem Programm das sich Ausweisapp nennt. Das Konto hat man auch relativ schnell eröffnet. Da die Dokumente, die man an die Justiz (oder wen auch immer) schicken will, meist auf dem PC liegen, nützt die Anmeldung mit dem smartphone noch nicht so viel. Es ist eine Kombination aus PC und Smartphone erforderlich. Die APP muss auf beiden Geräten installiert sein. Für Linux-Mint gibt es dazu eine fertige Lösung bei den flatpaks. Man geht in die Anwendungsverwaltung und sucht nach der Ausweisapp. Die muss man dann installieren:

Befinden sich dann PC und smartphone im selben WLAN fungiert das smartphone als Kartenleser für den PC. Erstaunlicherweise hat das geklappt. So kann man das Konto bei ID.bund.de gründen und danach das Justizpostfach. Dann steht der Kommunikation mit der Justiz nichts mehr im Wege.

Digitale Verwaltung, da braucht man Nerven

Herbst/Winter 2023. Ich bekomme einen Anhörungsbogen in einem OWI-Verfahren. Lege Widerspruch ein, dann geht das Verfahren in die nächste Instanz, nach Kassel. Von dort aus legt man mir nahe, das Bußgeld zu zahlen, dazu schickt man einen Barcode mit, die Sache könnte in 60 Sekunden erledigt sein. Heißt ja auch Bußgeldstelle und nicht Einspruchstelle. Der Einspruch, den einzulegen ich beabsichtige, ist weitaus schwieriger. Dazu gibt es vier Möglichkeiten:

  1. schriftlich oder zur Niederschrift. Also mit Briefmarke oder hinfahren und die Herrschaften einen Bogen Papier in die Schreibmaschine legen lassen.
  2. elektronisch mit qualifizierter elektronischer Signatur, §110c Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (OWIG) i.V.m. §32a Abs.3 und 4 StPO und Art.3 Nr.12 der Verordnung (EU) Nr. 910(2014 (eIDAS-VO)
  3. per absenderauthentifizierter De-Mail, §110c OWIG i.V.m. §32a Abs.3 und 4 StPO und dem De-Mail-Gesetz.
  4. per elektronischem Bürger- und Organisationspostfach (eBO), §110c OWIG i.V.m. §32a Abs.3 und4 StPO und §10 elektronische Rechtsverkehrsverordnung (ERVV)

Telefax wird gar nicht mehr angeboten, das beruhigt mich etwas. Ich habe es per einfacher Mail versucht, mit einem verschlüsselten pdf, das haben die in Kasssel noch nicht einmal ignoriert.
Es wird zu den Möglichkeiten 2-4 KEINERLEI Hilfestellung angeboten. Ich finde es einerseits gut, dass endlich mal ein sicheres digitales Verfahren gemacht wird, andererseits erwartet man natürlich auch Unterstützung. Ohne it-affin zu sein bekommt man das nicht hin. Es hat dann immerhin auch drei Wochen gedauert, bis ich die Möglichkeit unter 4. hatte, drei Wochen nach der Frist wohlgemerkt. Wie das ging, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Wie es im OWI weitergeht, schreibe ich vielleicht auch hierher.

Haltestelle Langenseifener Stockdunkel (nicht mehr, Beleuchtung wiederhergestellt)

Dieses Wortspiel musste einfach sein.

Auf der Buslinie X76, Nastätten-Wiesbaden, Hauptbahnhof

ist die Beleuchtung am Halt SWA-Langenseifener Stock seit Tagen defekt. Dort ist eine Leuchtstoffröhre eingebaut. Das ist besonders misslich, da der Halt stockfinster ist. Der Busfahrer kann also erst im letzten Moment erkennen, ob da jemand steht. Das gilt zumindest für die Busse vor 7 Uhr morgens. So wird aus dem Langenseifener Stock der Halt Langenseifener Stockdunkel. Diesen Defekt habe ich mit diesem Post zeitgleich gemeldet. Hier wird auch notiert, wie lange RMV gebraucht hat aus dem Stockdunkel wieder einen hellen Halt zu machen. Viel Glück

Heute, am 2.1.2024 ist es geschafft. Die Haltestelle ist wieder beleuchtet. Wir waren ein paar Tage verreist und haben es heute festgestellt, ich will den RMV-Leuten aber kein Unrecht tun, die haben es vermutlich bereits vor Weihnachten repariert. Ich weiß es nicht. Ich war seitdem nicht mehr dort. Vielen Dank jedenfalle

WTC-Elevator Ticket wiedergefunden

Beim Durchsuchen der alten Fotos aus den 90er nach Motiven des letzten USA-Urlaubs habe ich die Karte wiedergefunden, mit der ich am 17. November 1999 zum Observationdeck des WTC gefahren bin. 102 Stockwerke. Da wird mir heute schon beim Gedanken daran schlecht

Ich weiß noch, dass ich mich tags zuvor informiert habe, wann das WTC aufmacht, damit ich bei den ersten bin, die hochfahren. Dem Ticket nach müsste ich der fünfte gewesen sein. Die Fotos habe ich mit der damals noch analogen SLR von Norbert gemacht, der wohnte damals in Queens.

SKS zeigt vorbildlich Nachhaltigkeit

Vor zwei Wochen war ich im Begriff, mein X-board von SKS zu reaktivieren. Das Board lag eine Zeit rum, da ich die letzte Zeit fast nur mit dem FAT-Bike gefahren bin und für das habe ich ein extrabreites X-Guard.
Bei der Montage stellte ich fest, dass die Auflagergummis nicht komplett sind, 2/4 fehlen. Damit sitzt das Board natürlich nicht stabil und klappert außerdem. Die Läden in Wiesbaden (BOC24 und Lucky-bike) winken ab, aber der Verkäufer bei LB meinte, ich soll doch mal bei SKS anfragen, da die Auflagergummis nicht einzeln verkauft werden. Aber wenn die einer hat, dann die Firma, die die herstellt. So hab ich das auch gemacht. Frau Hauschke-Kramer hat mir dann, nachdem wir uns über das Modell einig waren, 5 Auflagergummis und 2 Spanngummis geschickt. So brauch ich das Brett nicht wegwerfen und hab weiter ein einigermaßen sauberes Gesicht beim Regen. Danke Frau H-Kramer! Das ist Nachhaltigkeit.

Rakete wieder startklar

Wroclaw mit Forum Unna

Sonntag, 21.05.2023
Der dritte Bildungsurlaub in Polen, von Forum Unna angeboten und organisiert, ist angelaufen, dieses Mal sind wir in Breslau, das ist auch der Name der Fortbildung: Aus Breslau wird Wroclaw. Wir sind tagsüber mit dem Auto hingefahren und ohne Störung die 770km durchgefahren. Glück gehabt, die Gegenrichtung hatte auf polnischer Seite 4 fette Korken. Wir waren zeitig da und konnten schon mal locker einchecken und etwas die Beine vertreten, bevor es um 18 Uhr losgeht. 18 interessierte Teilnehmer treffen sich im Hotel vor Ort und werden vom Leiter des Kurses, Frau Malgorzata Urlich-Kornacka (Gosia) begrüßt. Sie stellt kurz das Programm vor und dann beginnt die Vorstellungsrunde. Ich muss anfangen, bedeutet, dass ich mich als erster angemeldet hatte. Stimmt, das war auch schon im Herbst 22. Also dann, jeder nur ein Kreuz. Im Anschluss gibt es Abendessen, wir bleiben so zum Essen sitzen und haben nette Gesellschaft, ein Paar aus Flensburg und ein Einzeltäter aus Berlin sind unsere Tischnachbarn. Es gibt ein Gemüse in einer Süßkartoffelhäfte zubereitet mit zwei Stangen grünem Spargel. Obendrüber ein paar gebratene oder fritierte „wihajster“. Später stellt sich dann heraus, dass es Tofu war. Premiere also für mich und gar nicht mal so schlimm. Im Zimmer abends rufe ich dann noch meinen Kumpel Jim aus Redwood City an und gratuliere zum Geburtstag. Alles super

Montag 22.05.2023
Frühstück gibt es ab 7, sehr viel später waren wir auch nicht dort. Das Hotel ist super, der Kaffee schmeckt, es gibt alles was das Herz begehrt und davon mehr als genug. Um 9 treffen wir uns in der Lobby und verkabeln uns mit Radio Gosia. Dann gehts los. Gosia spricht in einem Unterlass, oder wie ein Teilnehmer, der es wissen muss, gegen 13 Uhr sagte: Aus pädagogischen Gesichtspunkten ist die Aufnahmegrenze schon weit überschritten. Wir hören viel über die Stadt, den Marktplatz, das Viertel, die Zwerge, die Oper und die Philharmonie und begeben uns langsam Richtung Platz für gegenseitige Rücksichtnahme zum Restaurant Konspira, wo es für uns pierogi und placki ziemniaczane gibt, Grumbeerpangkuche hätte man bei uns früher gesagt. Dieses Mal mit Spinat, echt klasse.
Am Nachmittag stand dann der Besuch in der Synagoge „pod bialym bocianem“ „unter dem weißen Storch“ also an. Der Führer erklärte uns sehr geduldig alles, was wir wissen wollten und das war eine ganze Menge. Um 16 Uhr war die Führung beendet und wir beschlossen ad hoc, noch zum Panorama zu laufen und es anzuschauen. Was soll ich sagen, wir kauften um 1630 die Karten und während wir sie einsteckten öffnete sich das Tor für den Einlass. Punktlandung. Sehr beeindruckend war das, sehr zu empfehlen. Jetzt ist es gleich 22 Uhr, ich bin kaputt, Frau auch. Licht aus. dobranoc.

Dienstag, 23.05.2023
Nach dem Frühstück geht es zum Franziskanerkloster in der aleja Jana Kasprowicza. Pater Marian empfängt uns und wir hören seinen Vortrag über das Kloster und die Hauptaufgabe des Klosters, die Seelsorge der deutschen Minderheit in Schlesien. Wir essen dort in der Suppenküche zu Mittag. Es gibt Pysy und nalesniki serem (mit gewolftem Rindfleisch gefüllte Kartoffelklöße und dünne Pfannkuchen, also fast eher crepes, mit einem gesüßten weissen Quark gefüllt)
Am Nachmittag besuchen wir die Aula Leopoldina in der Universytet Wroclaw und den Musiksaal. Vom Dach des Gebäudes haben wir eine gute Aussicht.
Im Anschluss findet ein Vortrag und ein Gespräch über das deutsch-polnische Verhältnis seit 1945 mit dem Direktor des Willy-Brand-Centrums Krzysztof Ruchniewicz statt. Meinen Hinweis, dass ich auch seit 13 Jahren Experte für deutsch-polnische Beziehungen bin, nimmt man mit müdem Lächeln zur Kennntis. Danach Feierabend. Der Rest der Bande oder ein Teil geht noch zum Vortrag von Markus Meckel, des ehemaligen Außenministers der DDR. Der Vortrag findet im Openheim statt.
Wir gehen aber auch nochmal raus, kehren ein im Charlotte in der Nähe der Synagoge, wo wir am Vortag waren. Anschließend laufen wir noch zur Dominsel an der Oder. Dort gibt es Gaslaternen, die von einem schwarz gekleideten Mann jeden Abend kurz nach Beginn der Dämmerung angezündet werden. Wir können ihn auch finden, müssen aber zuvor eine Zeit dort ausharren. Der Anzünder hat eine transportable Gasflamme dabei, an einer Lanze. Mit der öffnet er das Gasventil und im gleichen Moment werden die vier Glühstrümpfe angezündet. Wir schauen uns das an, dann gehts zurück zur Unterkunft. Es ist kalt geworden.

Mittwoch, 24.05.2023
Treffpunkt ist wieder die Lobby, 9 Uhr, nach dem Frühstück. Heute geht es erst zu Fuß über den Marktplatz. Gosia erzählt uns Geschichten über Kaufhäuser und Jugendstil, wir sehen unter anderem zwei Häuser mit Abbildungen von Mohren an den Wänden und sind beruhigt, dass man in Polen darüber kein Fass aufmacht. In Deutschland wäre auf den sozialen Medien ein solcher Sturm entbrannt, der nicht eher geendet hätte, bis diese Figuren mit Hammer und Meißel abgerissen worden wären. Polen ist entspannt, das beruhigt mich. Den Begriff „kulturelle Aneigung“ kennt man hier nicht.
Anschließend fahren wir zu einem ehemaligen jüdischen Friedhof der heute als Museum dient. Als er eingeebnet werden sollte entdeckte man, dass der Gründer der Sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Ferdinand Lasalle (Lasal) dort beerdigt ist, und stoppt die Einebnung. Zur Erinnerung: Aus der SDAP geht 26 Jahre später die SPD hervor. Von dort fahren wir zum Mittagessen ins Sarah. Es gibt Kartoffelpuffer mit Gulasch. Wir setzen die Besichtigung gleich im Anschluss fort, fahren zum Odertor. Der dortige Bahnhof und das Viertel gewannen Bedeutung nach dem Krieg, da die Brücke zum Hauptbahnhof nicht mehr da war und die Züge im Odertor endeten. Wir entdeckten dort eine Menge künstlerisch umgestalteter Höfe, desweiteren Handwerksbetriebe mit historischen Maschinen und eine Eisdiele mit dem leckersten Eis Polens (das bestätigte ein Testkauf). Und ja, um 1630 ging es weiter, im Hotel sahen wir dann noch einen Film des MDR über den Henker von Breslau, Karl Hanke. Dann war endlich Feierabend und wir auch für heute erledigt.

Donnerstag, 25.05.2023
Der Bildungsurlaub geht in den Endspurt. Heute geht es nach der üppigen Verpflegung zum WuWa Werkbundsiedlung Wroclaw. Beeindruckend, was damals schon an Ideen vorhanden war und auch in kürzester Zeit umgesetzt wurde. Das Haus, in welchem sich heute das Hotel befindet, wurde in drei Monaten gebaut. Da bekommt man heutzutage noch nicht mal den Bauantrag eingereicht, geschweige denn genehmigt. Anschließend besuchten wir die Jahrhunderthalle mit Nadel und Park. Auch da ist man in der Halle beeindruckt, was damals schon in Stahlbeton machbar war und gar nicht schlecht aussieht. Mittagessen gab es im Green Bean in der Szczytnicka 9 . Die Straße steht nur zu Ausspracheübungszwecken hier. (beim Aufschreiben der Straße hab ich mich auch zweimal vertan, also die beiden Versuche habt ihr auch) Ein Selbstbedienunglokal. Man schaufelt sich Essen auf riesige Teller die dann gewogen werden. Durch die großen Teller sind die Augen schon mal größer als der Magen. Geschmacklich war es gut. Während des Essens haben Handwerker angeseilt Revisionen an der Fassade durchgeführt. Am Nachmittag wandern wir zur most grunwaldzki, früher auch Kaiserbrücke genannt. Dahinter liegt das Haus auf dem Wasser von Kamil Zaremba. Dort hören wir einen Vortrag über Umweltschutz, die Oder, die Hochwasser der vergangenen Jahre und die Oderverschmutzung vom Jahr 2022. Dann war Fajrant. Abmarsch, ich muss dringend noch zum fryzjer. Das hat auch geklappt. Ich bekam für ordentliches Benehmen beim fryzjer noch einen paczek gekauft. Mit Rosenmarmelade. Die mag ich. Morgen letzter Tag, Abreise am Samstag. Ich kann schon einmal vorwegnehmen: Breslau ist toll.

Freitag, 26.05.2023, Muttertag in Polen (das spielt für uns keine Rolle, erklärt uns aber, warum so viele Männer mit Blumen unterwegs sind und warum man viele Mütter mit Söhnen und oder Töchtern unterwegs sieht, zum Beispiel im botanischen Garten, dazu gleich mehr)
Frühstück bis 9, wie die Vortage auch. Dann gibt es einen Vortrag bzw. viel mehr ein Gespräch am Vormittag mit einer Lehrerin aus Wroclaw, Katarzyna Sroka. Sie unterrichtet deutsch an verschiedenen Schulen in der Stadt. Und das, soweit kann ich das Feedback schon einmal vorwegnehmen, ist für viele Teilnehmer der spannendste Teil der Woche, die Unterhaltungen mit Zeitzeugen. Mit allen, die uns etwas gezeigt haben und für ihre Sache brennen. Dann gibt es Feedbackrunde und Zeugnisse, alle haben bestanden. Ich freue mich. Einige müssen sich schon verabschieden, da sie ihren Zug nicht verpassen wollen. Der Rest schaut noch einen Film über Breslau. Dann ist Verabschiedung. Wir gehen erst mal Mittagessen, dieses Mal in die Milchbar Jacek i Agatka in der Wita Stwosza . Ein komplettes Mittagessen für zwei Personen mit Suppe vorweg für ziemlich genau 50 PLN. Am Nachmittag gehen wir in den Botanischen Garten und schauen uns dort um. Der Garten ist sehr zu empfehlen, wirklich toll gemacht. Wir schauen uns auf dem Rückweg noch ein Kunstwerk an, auf einer kleinen Oderinsel. Dann gehts zurück zum Hotel, packen und morgen früh nach Hause. Schön wars und bestimmt nicht das letzte Mal in Breslau. Do zobaczenia.


zu faul zum laufen

am heutigen Sonntag stellten wir kurz vor der Höhe drei mitten im Wald geparkte Autos fest. Es ist 1230 MESZ. Da stehen Kleinwagen, einer mit Hauptstadtkennzeichen und zwei aus der Gegend. Zwei Männer in Jogginghosen und mit Pumperstatur (ich meine, regelmäßig im Fitness schwitzende Kunden) laufen umher, einer hat eingeschweißte Würste in der Hand. Sieht nach jemand aus, der zum Grillen will. Es nieselt leicht.

Der nächste Mann kommt uns entgegen. Ich frage ihn, „Was geht?“ Er antwortet in deutsch mit Mittelmeeranrainerakzent, sie würden hier grillen wollen. Ich rückfrage, ob er sich noch an die Führerscheinprüfung erinnere, was er da zum Befahren von Waldwegen mit dem Auto gelernt habe. Kein Plan. Ich erinnere ihn in meiner unendlich emphatischen und höflichen Art daran, dass das Befahren von Waldwegen mit Kraftfahrzeugen nicht erlaubt ist. Sie mögen bitte die Wagen entfernen. Jetzt. Dann gehen wir weiter, zur Hütte. Dort haben sich bereits drei weitere Personen versammelt, ein Mann und zwei Frauen. Dort wiederhole ich höflich meine Bemerkung von vorhin. Auf deutsch mit Akzent kommt die ähnliche Antwort, nichts gewusst, etc.

Wir registrieren heute eine Aussicht mit wenig Fernsicht, Hohe Wurzel und Feldberg sind in Nebel/Wolken. Auf dem Weg nach unten bewegen sich drei der sechs hinter uns in die gleiche Richtung. Sie fahren uns langsam hinterher und stellen schließlich die Fahrzeuge auf dem Parkplatz der B260 in Richtung Bad Ems ab. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Straße überquert. Einer ruft noch „Hallo, Hallo, hier dürfen wir parken?“ Ich drehe mich um, nicke und sage „ok“.

Ich gebe zu, ich bin da leicht erschüttert. Zum Abparken ihrer Karren in Wald, nachdem sie vorher vergeblich versucht haben, die Fahrzeuge direkt bis vor die Hütte zu fahren und dabei den Weg nicht geschont haben, fragt keiner um Erlaubnis. Beim Abstellen der Fahrzeuge auf dem Parkplatz der B260 kommt die Rückfrage, „hier ist es recht, oder?“ Führerscheinkenntnisse Fehlanzeige. Der gesunde Menschenverstand ist auf der Strecke geblieben oder? Man ist fassungslos, muss aber trotzdem die Contenance wahren und darf die Menschen nicht vorverurteilen, die muss man abholen, wo sie sind. Hoffentlich haben sie ihren Müll mitgenommen, ich befürchte aber, nicht. Hoffentlich tue ich den Menschen nicht unrecht.

Lodz mit Forum Unna

Zum zweiten Mal also Bildungsurlaub mit Forum Unna, dieses Mal in Lodz. Wir sind rechtzeitig angereist,mit Zwischenstation in Boleslawiec. Das Hotel in Lodz ist super, hat vier Sterne wirklich verdient. 18 Uhr geht es los, die Leiterin Anna kommt Sonntag Abend kurz nach 6 Uhr ins Hotel, ein paar Teilnehmer habe ich zu dieser Zeit in der Lobby bereits identifiziert. Ein Paar aus Bad Oldesloe, eines aus Duisburg, eines vom Weserstrand, eines aus dem Taunus, ein Mann aus Stuttgart und eine Frau aus Hamburg. Mehr kommen nicht. Es sieht fast so aus, als ob wir knapp die Mindesteilnehmerzahl erreicht haben. Wir machen Begrüßungsrunde im Hotel, dann gibt es Abendessen. Ende Tag 1.

Am Montag geht es mit den Frühstück los. Da wird einiges geboten im Vienna House Andels in Lodz. Das macht wirklich Laune. Beim Frühstück treffen wir die anderen Teilnehmer alle am Buffet. Es ist alles stressfrei, das ist auch gut so. Um 9 treffen wir uns in der Lobby, die Frau aus Hamburg ist aber leider krank, so dass wir nur mit insgesamt 9 Leuten in die Piotrkowska Straße aufbrechen. Ania zeigt uns die Straße und die Höfe und die Besonderheiten. das Geburtshaus von Daniel Libeskind beispielsweise oder das  Nach dem Spaziergang sind wir zurück ins Hotel, machten dann eine Rundfahrt mit den Bus, zur Fabrik vom Scheibler. Dann ging es zum Mittagessen in das Restaurant „tschechischer Film„. Dann fuhren wir ins Dialog-Zentrum und mit dem Bus ins Hotel zurück. Abends hatten wir noch nicht genug und sind zu Fuß nochmal die Piotrkowska abgelaufen, bis zum Einhornstall, also dem Zentralbahnhof des Lodzer Straßenbahn- und Omnisbusverkehrs. Ende Tag 2.

Am Dienstag nach dem Frühstück trafen wir uns wieder in der Lobby, um 0930. Alles waren dieses Mal dabei. Dann liefen wir über den Park des Herings zum Getto Litzmannstadt. Zum Mittagessen im Galicja fehlte dann erneut die Frau aus Hamburg. Ich hörte, es sei ihr zu wenig Holocaust. Naja, das würde ich nicht so sehen, da verging ja keine Minute, ohne Erinnerung an die Zeit zwischen 39 und 45. Nachmittags sind wir dann in das Stadtmuseum Lodz gegangen, früher die Residenz von Israel Poznanski. Mit der Besichtigung dieses Hauses endete Tag 3. Abends machten nur wir beiden einen Ausflug in die Manufaktura, also in den sklep.

Am Mittwoch waren wir nur noch 9. Die Teilnehmerin aus Hamburg wollte nicht mehr mitmachen. Wir haben direkt mit dem größeren Bus eine Rundreise um das Getto Litzmannstadt gemacht, zum Bahnof Radegast. Danach besichtigten wir die Gedenksstätte des Kinderlager für polnische Kinder zwischen 4 und 16 Jahren. Mittagsessen gabs im Restaurant „Gelüste und Sehnsüchte“ in der ulica Hacerska. Dann fuhren wir zum jüdischen Friedhof mit dem zweiten Palast, also der Grabstätte von Poznanski. Die Mauer des jüdischen Friedhofs begrenzt die Hacerska nach Norden, den Bus hätten wir da fast nicht mehr gebraucht.  Ende Tag 4. Also fast, Anna und ich waren abends noch in der Sauna, im Hotel. Das war nicht schlecht. Eins hab ich noch zum Hotel: Das Logo des Hotels ist ein weisses V im roten Kreis. Das sieht auf Anhieb aus, wie das Symbol von Tierärzten in Deutschland. Dr. vet.

Am Donnerstag sind wir mit dem ÖPNV zur germanistischen Fakultät gefahren und durften dort auch Fragen stellen. Ich fragte zum  Beispiel ob sie Veränderung im wissenschaftlichen Forschen seit 2015 bemerkten, also seit PIS an der Regierung ist, das wurde eindeutig bejaht. Das (wissenschaftliche Arbeiten) wurde seitdem schlechter. Und ich wollte wissen, warum man die Schilder an den Gedenkstellen zwar in vier Sprachen, aber nicht in deutsch macht. Ja, und die Antwort war mir auch schon fast klar. Das ist immer noch ein Zeichen der Mißgunst gegenüber den „Besatzern“ von damals. Ich fände es schon gut, wenn die Beschreibung auch in deutsch wäre, so kann man in den Gedenkstätten nur die deutschen Tafel der Waffen-SS lesen. Das Mittagessen gab es im Restaurant „Imber“ im Hinterhof der Piotrkowska 43, also noch relativ weit im Norden, ein jüdisches Restaurant. Nachmittags waren wir noch im Bahnhof Lodz Fabryczna (ein Bahnhof von der Größe des Berliner Hauptbahnhofes, aber menschenleer) und in der Wodka-Fabrik Monopolis. Nach einen gemeinsamen Kaffee klang der Tag aus. Ende Tag 5. Mit der Strab sind wir zurückgefahren. Abends gingen wir nochmal in die Sauna, trafen dort auf die Frau aus Hamburg. Wir dachten erst, sie sei abgereist.

Am letzten Tag trafen wir uns nach dem Frühstück mit einer Vertreterin der lgbtQ-Gruppe aus Lodz und mit zwei Vertetern der Bewegung „rettet die Demokratie“. lgtby ist jetzt nicht unbedingt mein Thema, aber dass die Menschen gerade in Polen Probleme haben bekommt man sogar in der deutschen Tagesschau mit. Die PIS hasst diese Gruppe. Wir unterhielten uns mehrere Stunden sehr angeregt und dann war schon Zeugnisvergabe. Alle erhielten ihre Teilnahmebescheinigung. Wir verabschiedeten und herzlich bei den anderen und traten den Heimweg an. aber nach Lodz kommen wir wieder, das war echt gut. Die Angebote mit Forum Unna sind nach wie vor sehr zu empfehlen Anna Jozwiak ist wie schon letztes Jahr Julita Rarek sehr kompetent.

Bilder kommen noch

babie lato in Warschau

Zum Abschluss des Jahresurlaubes waren wir mit der Lufthansa 4 Tage in Warschau. Flug, Unterbringung und Verpflegung waren problemlos, zumindest bis zum Abend vor dem Rückflug. Das wird sich dann erst morgen zeigen. Das Wetter spielte ganz gut mit. Es gab babie lato (wörtlich poln. für Altweibersommer) die ganze Zeit, nur am letzten, heutigen, Abend regnete es etwas. Aber das Wasser geht ja bekanntlich nur bis zur Haut. Am Ankunftstag bin ich erstmal zum Friseur in der Okopowa 23 gegangen, dann direkt daneben in den Flaggenladen Flagi, ebenfalls Okopowa 25, Wir haben die Schwiegermutter besucht, Geburtstagskarten nach Hause geschickt, waren in Parks und Shopping-Centern unterwegs. Leider hat das folk gospoda geschlossen. Einige Beiträge früher habe ich es noch über den grünen Klee gelobt. Leider schreiben die Knaller auf ihrer Webseite nichts davon. Da frage ich mich allen ernstes, wozu die einen Webseite betreiben, wenn das nicht dort steht. Am Restaurant selbst gibt es nur einen Hiweis auf das „rote Schwein“ so man hingehen soll. Aber das taten wir dieses Mal nicht. Wir waren im indian lounge in der Wolska 38, alles wunderbar und kann man weiterempfehlen.

Donnerstag waren wir zu Mittag im U Lotnikow, wo eine Bekannte von uns kocht. Das Lokal ist in der Zygmunta Krasinskiego 56. Es war anfangs etwas laut dort, der Fernseher lief und auf der anderen Seite die Lüftung, aber das Essen hat geschmeckt.

Heute dann endlich der Besuch in der schon von Steffen Möller empfohlenen pracownia cukiernica (Bäckerei)  https://zagozdzinski.pl/. Hier soll es demnach die besten Berliner (paczki) der Stadt geben. Das würden wir auch so bestätigen. Die sind wirklich klasse. Die Öffnungszeiten beschreiben die Betreiber selbst so: Wir verkaufen täglich Berliner ab 9 Uhr morgens und zwar solange, bis sie alle sind. Ende der Durchsage. Klasse. Zusatz für die Einwohner Berlins: Unter Berliner verstehen wir das, was man bei Euch als Pfannkuchen bezeichnet. Ende Zusatz.

Und ebenfalls von Steffek empfohlen die Milchbar Gdanski in der Gen. W. Andersa 33. Je nach Tageszeit steht man in einer kleinen Schlange aber Suppe kann man sofort mitnehmen und der Hauptgang ist fertig, wenn die Farbe auf dem Display von rot auf blau wechselt. Dann hat man die Suppe auch bereits aufgegessen. Dafür ist man auch mit ca. 50 PLN bei einem Mittagessen für zwei Personen durch.  Wenn man dann noch draussen sitzen kann ist der Nachmittag echt perfekt.

Das nennt sich Nalesniki serem (dünne mit weißem, etwas gesüßten Quark gefüllte Pfannkuchen) und gibts dort mit etwas geschlagener Sahne und Himbeersauce. Da macht das Intervallfasten mal ein Fastenintervall.

Zum Abschluss waren wir dann noch im Vortex-Tunnel, der Hauptattraktion des Illusionsmuseums am rynek. Da weiß man tatsächlich nicht mehr, ob man steht oder sich dreht.

Nachtrag zur Rückreise: Auf den Rückflug mit LH, der genau 1:20h dauerte, folgte eine Odyssee mit dem ÖPNV. Ein Stellwerk war kaputt. Anstatt es zu reparieren sendete man Durchsagen und entschuldigte sich pausenlos. Nach einer halben Stunde des Wartens fuhr die Tram eine Station nach Kelkheim, dann noch zwei nach Rüsselheim. Umsteigen in den Bus, Fahrt nach Mainz zum Hbf. Dort sollte die Fahrt mit der Tram weitergehen, Fehlanzeige. Ein weiterer Bus fuhr zum Hbf nach Wiesbaden, dann ein weiterer bis zur Schiersteiner Straße. Den Rest na piechote. Über drei Stunden für 30km, das schaff ich auch mit einem Klapprad von 1975.

Kommunikation im Straßenverkehr

Samstag Mittag, ich befahre in Wiesbaden die Panoramastraße in Richtung Schönbergstraße. Will zum Bahnhof. Die Schönberg- ist Tempo 30 Zone, ergo gilt, wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. Die Panorama- kommt von rechts. Es ist relativ viel Verkehr. Ein Auto nach dem andern fährt an der Panorama- vorbei, keiner macht Anstalten, die Vorfahrt zu gewähren. Ich passe es so ab, dass ich in einer Lücke lande. Der Fahrer des Wagens hinter der Lücke (Passat Kombi)  hupt mich an. Ich fahre weiter, zeige ihm 150m weiter das Zeichen, dass die 30er Zone beendet. Ich lasse ihn rankommen, er meint nur, das hätte er nicht gewusst. „OK“, antworte ich, „sonst noch etwas?“ „Ja was denn noch?“ erwidert er.  Der Satz „für mein ungerechtfertigtes Verhalten bitte ich um Verzeihung“ oder etwas vergleichbares kommt nicht. Will er nicht oder  kommt er nicht drauf. Resigniert und kopfschüttelnd fahre ich weiter. Seine  Beifahrerin brüllt mir aus dem Fenster hinterher: „Freundlichkeit, etwas mehr Freundlichkeit.“

Ist das zu glauben. Diese Menschen missachten die Vorfahrt und fordern dafür mehr Freundlichkeit. Anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen. Erziehung Fehlanzeige. Ein Lehrgang „Verhalten im Straßenverkehr“ und ein paar Fahrstunden wären sicher besser gewesen, als die offensichtlich investierte Zeit beim injizieren von Farbe unter die Haut und dem Aufbohren der Ohren auf die Größe von 5-Mark-Stücken. Man muss Prioritäten setzen.

Sinnloses Hin- und Herfahren

Unverständnis fürs Zeigen des nach unten gerichteten Daumens erntete ich heute von einem maskierten Fahrer einer Suzuki. Dieser fuhr auf der Landstraße auf und ab, weil es ihm offenbar Spaß machte. Nach dem vierten Vorbeifahren hielt er dann an und fragte, was das solle. Ich machte ihm deutlich, dass der Daumen eine Meinungsäußerung darstelle, ich ihm damit sagen will, dass ich dieses Verhalten nicht gut finde. Dass es Lärm und Gestank verursachte war ihm egal. Sinnlos für mich, für ihn offenbar nicht. Ich solle mich um meine Angelegenheiten kümmern, ob ich kein Geld hätte für so ein  Gerät. Den Daumen bekommen von mir alle, die an mir vorbeirasen und dabei zu laut oder zu schnell sind. Alle Radfahrer bekommen den Daumen nach oben. Facebook offline, so wie früher. Ich hoffe, es schliessen sich noch andere dieser Meinung an. Wenn sich genug beschweren und die Heizer feststellen, dass sie nicht willkommen sind, bleiben sie vielleicht weg. Ich wage die Prognose, dass wir uns in 30 Jahren darüber unterhalten und es für kaum noch wahr halten, dass noch 2022 Menschen mit lärmenden und stinkenden Motorrädern andere Menschen belästigen durften. Das Gespräch beendete ich dann, als der Mann immer unsachlicher wurde.

Wie sich in einem weiteren Telefonat herausstellte, ist dieses Verhalten (also das beschriebene fahren) nicht einmal eine OWI. Das unnütze hin und herfahren mit einem motorisierten Fahrzeug ist nur innerorts verboten. Die Grünen wollen das ändern, werden das aber mit den Ampelpartnern nicht durchsetzen können. Deutschland ist dazu noch nicht bereit. Schade.

Info aus dem Umweltbundesamt zur generellen Problematik und Auspuffanlagen

Erlebnis am Pfandautomat bei Edeka Pessios

Heute, 1600 MESZ bei Edeka Pessios in SWA. Ich bringe einen Bierkasten und ein paar Flaschen zurück und vergesse, da in Gedanken woanders, den Pfandbon mitzunehmen. Als ich dann zwei Minuten später dran denke und zurücklaufe ist der Bon bereits weg. Ich mache meinen Einkauf fertig, lege meine Beluga Linsen aufs Band, wie immer mit großem Abstand zum Vorgänger, damit noch Zeit ist, eben den neuen Kasten Bier zu holen. Der steht nur 8m entfernt. Hat nicht gereicht, der junge Mann am Scanner hat meine Linsen der Frau vor mir schon aufgedrückt. Es kommt zum Storno. Eine junge Frau mit Edeka-Shirt kommt und führt den Vorgang durch. Die spreche ich an:

„Ich war vorhin am Pfandautomat, habe vergessen, den Bon mitzunehmen. Kann man da was machen?“

Sie sagt: „rechts oder links?“

ich antworte: „der rechte, mit Blick auf die Automaten, wenn man davorsteht, ist keine 10 Minuten her“

Sie sagt: „Moment“,  kommt 3 Minuten später zurück und meint „warten Sie hier einen Moment, ich muss in den Laden, den Bon holen.“

Die Spannung steigt, es ist fast wie ein Krimi. Weitere 5 Minuten später kommt sie mit dem Bon in der Hand raus, sagt „kommen Sie mit, ich zahle ihnen das Geld an der Information aus.“

Ich will natürlich wissen, wie sie das gemacht hat, sie will nicht so recht. Dann frage ich Sie: „Sie haben ein Video vom Pfandautomat und auf diesem die Person erkannt, die den Bon entnommen hat, haben den Menschen im Laden gesucht und aufgefordert, den eingesteckten Bon rauszugeben?“

Sie antwortet: „Ja so ungefähr war es. Sie sagte noch, das sei eine Pfandunterschlagung, eine Straftat, wir erstatten auch schon mal Anzeige, in solchen Fällen. Aber da alles einvernehmlich ablief, verzichten wir heute drauf.“

Ich zollte der Mitarbeiterin meinen Respekt und bedankte mich für diesen Einsatz. Mit diesen 4,50EUR hätte ich im Leben nicht mehr gerechnet. Ich gehe aber auch davon aus, dass diejenige, die den Bon mitgenommen hat, den später an der Kasse oder Info als Fundsache abgegeben hätte. Einen Pfandbon unterschlagen, das macht doch niemand.

 

GnuPG, Android und openkeychain

Auf dem Tablet/smartphone möchte man ungern auf Mail-Verschlüsselung verzichten. Die Programme der Wahl sind der Mailclient K9 und für GnuPG openkeychain.

Vielleicht ist dem ein oder andern aufgefallen, dass man seit der Thunderbird Version 68 auf dem PC kein Passwort mehr zur Entschlüsselung von kryptierten Mails eingeben musste. Thunderbird speicherte das Passwort intern im Programm. Benötigte man jetzt die GnuPG-Schlüssel auf einem anderen Gerät konnte man sie zwar exportieren, und auf dem neuen Gerät importieren, dort jedoch passte das alte Passwort nicht mehr.

Die Lösung: Beim Export des geheimen Schlüssels in eine Datei muss man ein Passwort eingeben. Dann überträgt man diese Datei auf das neue (Android) Gerät und importiert die Datei in die Software openkeychain. Dann kann man wieder entschlüsseln, und zwar mit dem zuvor vergebenen Passwort.

Thunderbird, Gnupg und domainschlüssel

Mit Thunderbird in der Version 68 wurde enigmail abgeschafft und die GnuPG-Funktion in das Hauptprogramm übernommen. Ein  Domänenschlüssel (beispielsweise von einer Firma, @bmw.autohersteller.de) der immer dann Verwendung fand, wenn man sich verschlüsselt von seinem Konto marian.muehle@bmw.autohersteller.de eine Mail in die Firma schicken wollte, funktionierte plötzlich nicht mehr, weil GnuPG mit Domänenschlüssel nicht umzugehen wusste. Das ist jetzt gelöst. Ich beschreibe hier, wie es geht.

  1. Wir brauchen eine Datei, die Thunderbird, bzw. der Schlüsselverwaltung sagt, was zu tun ist, wenn eine Mail mit einem Domainschlüssel verschlüsselt wird. Diese Datei sieht so aus:
    ****************************************
    {
    „description“: „Thunderbird OpenPGP Alias Rules“,
    „rules“: [
    {
    „domain“: „bmw.autohersteller.de“,
    „keys“: [
    {
    „description“: „Domain Key fuer bmw.autohersteller.de“,
    „fingerprint“: „18FC6B9514E4D4317C111AC19869D2CA9879AABA“
    }
    ]
    }
    ]
    }
    *****************************************
  2. Diese Datei legt man in seinem default-profile, welches TB angelegt hat, ab, nennt die Datei aliasschluessel_fuer_tb.json
  3. Das default-profile findet man heraus, wenn man ein Terminal öffnet und dort folgenden Befehl eingibt und mit Enter bestätigt:
    thunderbird -P
  4. Dann öffnet man thunderbird, geht in Bearbeiten, Einstellungen und öffnet ganz unten auf der Seite den config-Editor. Dort alles anzeigen anklicken und nach openpgp suchen. Wir müssen jetzt die DAtei noch zuweisen. Wir suchen jetzt nach der Zeile
    mail.openpgp.alias_rules_file und klicken in dieser Zeile auf bearbeiten. Dann geben wir dort den Dateinamen ein: aliasschluessel_fuer_tb.json.
  5. Den Konfigurationseditor schliessen, eine neue Mail aufmachen und sich eine Mail in die Firma schicken. Dabei auf zwingende Verschlüsselung achten. Dann wird die Mail verschlüsselt. Dieser Weg gilt nur für die Richtung in die Firma.
  6. Danke Tom!

Kürbiscurry auf Reis mit Granatapfel

Inspiriert vom Salat unserer Freundin Heike vom letzen Samstag musste ein Granatapfel eingebaut werden. Eine Superidee, da man den Apfel zerlegen kann, während das Curry in der Pfanne schmort:

Zutaten:

1 Teelöffel Kokosöl (bei Zimmertemperatur fest)
2 rote Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 Butternußkürbis geschält
3 Karotten geschält
1 Dose Tomaten, gehackt
1 Teelöffel Honig
2 TL Zitronensaft
1 TL Cayenne-Pfeffer
400ml Kokosmilch,
100g Erdnüsse aus der Dose
1 gepellter Granatapfel

Und so gehts: Zwiebeln kleinschneiden und in einer Pfanne mit etwas Kokosöl anschwitzen, Knoblauch  dazugeben, mitschwitzen. Kürbis halbieren, entkernen, kleinwürfeln, dazugeben. Karotten kleinschneiden, dazugeben.

Tomaten dazugeben, Dose mit etwas Wasser auspülen, dazugeben. Honig, Pfeffer, Salz dazugeben, Deckel drauf und köcheln lassen. Die Beilage, Reis, aufsetzen und köcheln lassen. Jetzt hat man Zeit für den Granatapfel. Wie der zerteilt wird, hat mir letztens mein Kumpel Christian aus Berlin erklärt. Am besten schaut ihr mal bei yt.

Wenn das Curry köchelt, Kokosmilch mit Erdnüssen 10 Sekunden pürieren, in die Pfanne geben. Zitronensaft dazugeben

Alles zusammen 10 Minuten köcheln lassen, immer mal umrühren. Mit der Kokosmilch kann es anbrennen, Vorsicht.

Wenn der Reis gut ist, auf die Teller verteilen, Curry verteilen und mit Granatapfelstücksken garnieren. bon appetit.

Hier würden mit Sicherheit noch 1-2 Limeblätter und vor allem Ingwer dazupassen, hatte  ich aber gerade nicht im Hause. Viel Spaß beim Nachkochen.

 

Bildungsurlaub in Krakau mit Forum Unna

Bildungsurlaub machen meine Frau und ich nun schon seit ein paar Jahren, aber bisher nur in Deutschland. Jetzt, in der ersten Oktoberwoche, sind wir das erste Mal in Krakau in Polen. Anbieter ist Forum Unna.  Den Anbieter findet man aber auch über bildungsurlaub.de. Wir entschieden uns für das Seminar „Polnische Geschichte und deutsche Vergangenheit“. Geleitet wird es von Frau Julita Rarek.

Reist man mit dem PKW an und möchte man wegen der Parkraumbewirtschaftung die mindestens 15 EUR täglich nicht zahlen, muss man ca. 3 km vom Hotel abgesetzt parken. Das ist aber unproblematisch. Die meisten Teilnehmer reisten öffentlich an. Wir sind schon immer individuell unterwegs. Wenn das mit dem Fahrrad zu weit wird nehmen wir das Auto.  Fahrräder haben wir keine dabei, dazu wäre auch diese Woche keine Zeit, dazu gleich mehr.

Die Anreise erfolgte am Sonntag. Um 18 Uhr trifft man sich das erste Mal im Konferenzraum der Unterkunft. Dazu hat der Veranstalter das Hotel Eden ausgesucht. Nach einer kurzen Begrüßungs- und Vorstellungsrunde geht es gleich zur kolacja (Abendessen) ins Klezmer Hois, direkt in der Szeroka-Straße, keine zweihundert Meter zu Fuß. Das Abendessen war schon im Teilnahmepreis enthalten, der Veranstalter spendiert zum Abschluss noch eine Runde Wodka. Lekker.

Am nächsten Tag beginnen wir mit dem Frühstück im Hotel. Es lässt keine Wünsche offen. Traditionell verzehren Polen morgens schon Würstchen und Schinken, aber auch für Vegetarier und Veganer gibt es was zu essen. So gestärkt beginnt das Programm mit einem kurzen aber einprägsamen Abriss zur polnischen Geschichte. Es wird klar, warum das Land Jahrhunderte als Spielball diente und fast zweihundert Jahre gar nicht als eigenes Land auf der Karte existierte. Der Vortrag endet mit der wypierdalac-Bewegung (auf deutsch heißt das soviel wie haut ab!, stark verniedlicht formuliert) der Frauen zum Thema Abtreibung. Meine vorletzte Polnisch-Lehrerin Krystyna hätte ihre Freude daran gehabt. Gegen Mittag brechen wir dann zur Wawel-Burg auf. Die Burg ist traditionell Krönungs- und Grabstätte der polnischen Könige und Helden. Wir gehen durch die Kathedrale mit ihren Reliquien, besichtigen die Krypta, verstehen aber nicht ganz, zu welcher der vorgenannten Kategorien der verstorbene ehemalige Präsident Lech Kaczy?ski gehört. König war er ja nicht.
Danach gehen wir Richtung Marktplatz und kehren danach im pod aniolami ein.

Am Nachmittag besuchen wir noch das Dominikanerkloster in der Innenstadt, die Marienkirche mit dem Altar des Nürnberger Künstlers Veit Stoss. Der offizielle Teil war dann beendet, wir sind dann mit einer kleineren Gruppe noch zum camelot in der Tomasza gegangen und haben dort den Tag ausklingen lassen.

Am Dienstag waren wir fast den ganzen Tag in Nowa Huta, einer ab den 50er Jahren erbauten neuen Stadt, die einerseits eine Stahlhütte für den zunehmenden Hunger des Landes nach Eisen und Stahl bekam und damit Arbeitsplätze bot, andererseits auch Wohnraum für 100.000 Menschen zur Verfügung stellte, die im Stahlwerk arbeiteten und die ganze Infrastruktur drumherum abbildeten. Wir besichtigten eine Kunstgalerie in der Werke aus der Zeit nach der Entstehung der Stadt ausgestellt waren. Wir liefen über einen Wochenmarkt und besichtigten natürlich auch eine katholische Kirche, die den Stadtplanern abgetrotzt worden war. Die wollten ursprünglich keine bauen, hatten die Rechnung aber nicht mit den katholischen Polen gemacht, die 1977 einen jungen Kardinal zum Konklave nach Rom geschickt hatten und der als Papst Polen bei der Reform des Landes unterstützt hatte. Man kann seine Meinung zur katholischen Kirche haben, für mich ist die Rolle des Papstes in den Jahren 1980-1990 nicht wegzudenken. Ohne JPII wäre diese Wandlung so nicht eingetreten. Als Stadtführer durch Nowa Huta hat Julita einen fließend deutsch sprechenden Eingeborenen gewinnen können, bei ihm blieb keine Frage offen. Mittagessen gab es im skarbnicasmaku.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit der tramwaj zurück und gingen noch über einen Lebensmittelmarkt am nördlichen Ende des Rynek. Dort probierten wir Espresso-Tonic. Ich bin skeptisch, ob sich das durchsetzen wird.

Am Abend hat Julita für uns Live-Musik im Klezmer-Hois gebucht, das war richtig klasse. Es spielt die Band Sholem.

Wettermässig hätte es so weitergehenn können, leider kam es anders. Der Himmel weinte, das passte ein wenig zum Thema Auschwitz. Ich verweise an dieser Stelle auf unseren ersten Besuch im Muzeum. Koronabedingt ist jetzt einiges anders, der Keller von Block 11 war geschlossen, meiner Meinung nach ist das der schlimmste Teil des gesamten Rundgangs. Es gab auch einen neuen Teil mit Bildern der vernichteten Juden aus ganz Europa, die einem vor Augen führten, dass die Zeit der 30er Jahre auch schon bewegt und farbig war. Warum glaubt man das eigentlich nicht? Nach einer kurzen Pause im Bus fuhren wir dann noch nach Birkenau und liefen im strömenden Regen über das Gelände. Am Tag zuvor hat ein noch unbekannter Mensch ein antisemitisches Graffiti an eine Baracke gesprüht, da wurden gerade die Spuren beseitigt bzw. die gestrigen Besucher aufgefordert, Hinweise zu geben. Mehr Sachverhalt ist nicht bekannt. Die Führerin Alicja kannte die ganzen Zahlen über die Leistung der einzelnen Abschnitte auswendig. Aber die sind mir ja bekannt. Die Ermordung von 1,5 Millionen Menschen in Auschwitz bzw. 6 Millionen im Zeitraum bis Frühjahr 1945 insgesamt ist schlimm und diesem Gedenken stellen wir uns. Im Gedenken sind aber alle Opfer, auch die polnischen Widerstandskämpfer. Als Beispiel sei nur Wiktor Tolkin genannt, der Freund meines Schwiegervaters.  Wiktor hat in Danzig gewohnt und nach dem Krieg riesige Denkmäler in Stutthof, Majdanek und Kolberg errichtet hat. Die SS tätowierten ihm die 75886 in den Arm, aber er hat die schlimme Zeit überlebt. Wir haben ihn an Ostern 2013, kurz vor seinem Tod, noch einmal besucht.

Am Donnerstag liefen wir nach einer kurzen Einführung im Seminarraum und einer Besichtigung der Mykvah unseres Hotels,  zu Fuß zur ehemalien Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler. In den Gebäuden, die in Teilen auch als Kulisse für den Hollywoodstreifen „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg diente, befindet sich heute ein Museum der Stadt Krakau über die Zeit von 1935 bis 1946. Die Führung nahm dieses Mal Julita selbst vor, mit ihrem Radio versorgte sie uns unentwegt mit Information über die Ausstellung. Ein kleines Zettelchen mit einer Notiz von Roman Polanski, dem heutigen Regisseur, will ich Euch nicht vorenthalten:

Polanski hat als achtjähriger im Ghetto in Krakau geschrieben:

„Plötzlich  habe ich verstanden, wir sollten zugemauert werden. Es ist mir so Angst geworden, dass ich in Tränen ausbrach.“

Julita wies uns noch auf den Film Hometown hin, in welchem sich Polanski und Ryszard Horowitz, der jüngste Schindlerjude, treffen und reflektieren. Eine Vorschau zu youtube ist verlinkt. Der Film läuft gerade in Kinos in Krakau, könnte morgen noch klappen. Allerdings brauche ich einen mit Untertiteln. Die Mauer, an der sie in der Vorschau entlanggehen, ist die des Friedhofes, sie verläuft direkt unter unserem Fenster.

Nach dem Museum waren wir in Kazimierz im Lokal „Gellerübe mit Erbsen“, polnisch „marchewka z groszkiem“ zum Mittagessen. Das war jetzt wirklich der Spitzenreiter für die Woche. Sehr zu empfehlen. So gut, dass wir morgen gleich noch einmal hingehen. Nach dem obiad setzten wir den Rundgang fort und gelangten wieder auf die Szeroka, wo wir eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof besichtigten. Der Friedhof sah anders aus, als die mir bekannten. Das erklärte Julita damit, dass von den deutschen Besatzern nicht nur Synagogen zerstört, sondern auch Friedhöfe geschändet wurden. Die Grabsteine fand man nach dem Krieg in großen Mengen liegend wieder und richtete einige von ihnen auf, ohne dass man genau wusste, wohin sie gehörten. Mit den übrigen Steinen wurde die Friedhofsmauer innen befestigt. Die Gräber selbst darf man nach der Gesetzen nicht mehr antasten. So erklärt sich die Regelmäßigkeit der Anordnung. Schaut man sich den Friedhof in Worms an, sieht man eine ganz andere, fast zufällige Anordnung der Gräber und Steine. In der Synagoge waren wir auch, gleichzeitig mit einer riesigen Schulklasse, ich habe leider nichts mitbekommen.

Wieder draußen wies uns Julita noch auf die mehrere Jahrzehnte vergessene, gegen Kriegsende von den Nazis ermordete polnisch-ukrainische Lyrikern Zuzanna Ginczanka hin, von der sie ein Bild bei sich trug. Sie wurde vor ein paar Jahren wiederentdeckt und unter der Domain Ginczanka.de kann man ein paar ihrer Gedichte lesen, auf deutsch und auf polnisch.

Den Abschluß am Donnerstag machen wir in diversen Lokalen und Höfen, die als Kulissen im o.g. Film Verwendung fanden, auf die wir aber nie gekommen wären, selbst wenn wir den Film unmittelbar vorher noch einmal angesehen hätten. Die Dreharbeiten sind allerdings 30 Jahre her, da hat sich dann doch einiges verändert.

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über die orthodoxen Juden verlieren, die ebenfalls im Hotel bei uns untergebracht sind. Ein komisches Volk. Sie erwidern keinen Gruß, ignorieren einem völlig. Erklärt hat uns das Julita damit, dass Frauen in deren Welt, stark vereinfacht, nur der Fortpflanzung dienen und ansonsten  keine Rechte haben. Geld für die Familie verdienen eventuell noch, da sie selbst die Tora studieren müssen. Mehr als ein Kopfschütteln können sie dafür allerdings von mir auch nicht erwarten. OK, eine Teilnehmerin meinte, die katholische Kirche sei ja auch nicht viel besser, da würde Frauen ja auch der Zugang zum Priesteramt verwehrt. Das stimmt zwar, hält aber meiner Meinung nach den Vergleich mit den Chassiden nicht stand.

Freitag, letzter Tag der Veranstaltung. Zu Besuch ist eine junge Frau aus Polen, Marta, 30 Jahre alt. Sie diskutiert mit uns über alle Themen, die gerade auftauchen und uns bekannt sind.

Migration: Polen nimmt keine syrischen oder aus anderen Gebieten kommenden Flüchtlinge auf, obwohl sie das sollten.

Verfassungsgerichtsentscheidung: polnische Gesetze stehen über den europäischen. In Deutschland und allen anderen Ländern Europas ist es umgekehrt.

Umweltpolitik: In Polen gibt es keine Kernkraftwerke, aber auch kaum Windkraft. Die meiste Energie kommt aus Steinkohle. Das Thema Pfandsystem hätte man noch ansprechen können, kamen wir aber nicht drauf.

Regierung: Mit Geschenken an die Bevölkerung hat die PiS die Wahlen gewonnen.  Rentenalter heruntergesetzt, Kindergeld eingeführt.

Nach der Diskussion schauen wir einen Film über das Leben der Tochter von Amon Göth an. Sie trifft in diesem Film ein der beiden im Haus von Göth tätigen jüdischen Mädchen, Helen Rosenzweig (+2018). Der Film wurde im BR ausgestrahlt. Mal schauen, ob er noch zu bekommen ist.

Bücher:

Stella Müller Madej: Das Mädchen von der Schindler-Liste

Matthias Kessler: Ich muss doch meinen Vater lieben

Jennifer Teege: Amon, mein Großvater hätte mich erschossen

Wer noch einen Buchtipp hat, kann ihn mir schicken, den würde ich ergänzen.

Es folgte noch die Feedbackrunde und Teilnehmerbögen, dann machen sich die ersten schon langsam auf dem Heimweg.

Fazit

In Krakau habe ich eine der interessantesten Wochen überhaupt erlebt. An vielen der besuchten Orten war ich bereits früher einmal, aber die nochmal zu sehen, mit Radio Julita, das war wirklich außerordentlich interessant. Julitka, wir kommen wieder! Liebe Seminarteilnehmer, ich spreche auch im Namen meiner Frau, es war uns eine große Freude die Woche mit Euch zu verbringen.

update:

Gaby S., meine Klassenkameradin aus den ersten VHS-Polnisch-Kursen teilte mir heute mit, dass sie schon zweimal mit Forum Unna unterwegs war und zwar in Danzig und in Krakau. Reiseleitung war jedes Mal — Julita. Die Welt ist ein Dorf