Bildungsurlaub in Krakau mit Forum Unna

Bildungsurlaub machen meine Frau und ich nun schon seit ein paar Jahren, aber bisher nur in Deutschland. Jetzt, in der ersten Oktoberwoche, sind wir das erste Mal in Krakau in Polen. Anbieter ist Forum Unna.  Den Anbieter findet man aber auch über bildungsurlaub.de. Wir entschieden uns für das Seminar „Polnische Geschichte und deutsche Vergangenheit“. Geleitet wird es von Frau Julita Rarek.

Reist man mit dem PKW an und möchte man wegen der Parkraumbewirtschaftung die mindestens 15 EUR täglich nicht zahlen, muss man ca. 3 km vom Hotel abgesetzt parken. Das ist aber unproblematisch. Die meisten Teilnehmer reisten öffentlich an. Wir sind schon immer individuell unterwegs. Wenn das mit dem Fahrrad zu weit wird nehmen wir das Auto.  Fahrräder haben wir keine dabei, dazu wäre auch diese Woche keine Zeit, dazu gleich mehr.

Die Anreise erfolgte am Sonntag. Um 18 Uhr trifft man sich das erste Mal im Konferenzraum der Unterkunft. Dazu hat der Veranstalter das Hotel Eden ausgesucht. Nach einer kurzen Begrüßungs- und Vorstellungsrunde geht es gleich zur kolacja (Abendessen) ins Klezmer Hois, direkt in der Szeroka-Straße, keine zweihundert Meter zu Fuß. Das Abendessen war schon im Teilnahmepreis enthalten, der Veranstalter spendiert zum Abschluss noch eine Runde Wodka. Lekker.

Am nächsten Tag beginnen wir mit dem Frühstück im Hotel. Es lässt keine Wünsche offen. Traditionell verzehren Polen morgens schon Würstchen und Schinken, aber auch für Vegetarier und Veganer gibt es was zu essen. So gestärkt beginnt das Programm mit einem kurzen aber einprägsamen Abriss zur polnischen Geschichte. Es wird klar, warum das Land Jahrhunderte als Spielball diente und fast zweihundert Jahre gar nicht als eigenes Land auf der Karte existierte. Der Vortrag endet mit der wypierdalac-Bewegung (auf deutsch heißt das soviel wie haut ab!, stark verniedlicht formuliert) der Frauen zum Thema Abtreibung. Meine vorletzte Polnisch-Lehrerin Krystyna hätte ihre Freude daran gehabt. Gegen Mittag brechen wir dann zur Wawel-Burg auf. Die Burg ist traditionell Krönungs- und Grabstätte der polnischen Könige und Helden. Wir gehen durch die Kathedrale mit ihren Reliquien, besichtigen die Krypta, verstehen aber nicht ganz, zu welcher der vorgenannten Kategorien der verstorbene ehemalige Präsident Lech Kaczy?ski gehört. König war er ja nicht.
Danach gehen wir Richtung Marktplatz und kehren danach im pod aniolami ein.

Am Nachmittag besuchen wir noch das Dominikanerkloster in der Innenstadt, die Marienkirche mit dem Altar des Nürnberger Künstlers Veit Stoss. Der offizielle Teil war dann beendet, wir sind dann mit einer kleineren Gruppe noch zum camelot in der Tomasza gegangen und haben dort den Tag ausklingen lassen.

Am Dienstag waren wir fast den ganzen Tag in Nowa Huta, einer ab den 50er Jahren erbauten neuen Stadt, die einerseits eine Stahlhütte für den zunehmenden Hunger des Landes nach Eisen und Stahl bekam und damit Arbeitsplätze bot, andererseits auch Wohnraum für 100.000 Menschen zur Verfügung stellte, die im Stahlwerk arbeiteten und die ganze Infrastruktur drumherum abbildeten. Wir besichtigten eine Kunstgalerie in der Werke aus der Zeit nach der Entstehung der Stadt ausgestellt waren. Wir liefen über einen Wochenmarkt und besichtigten natürlich auch eine katholische Kirche, die den Stadtplanern abgetrotzt worden war. Die wollten ursprünglich keine bauen, hatten die Rechnung aber nicht mit den katholischen Polen gemacht, die 1977 einen jungen Kardinal zum Konklave nach Rom geschickt hatten und der als Papst Polen bei der Reform des Landes unterstützt hatte. Man kann seine Meinung zur katholischen Kirche haben, für mich ist die Rolle des Papstes in den Jahren 1980-1990 nicht wegzudenken. Ohne JPII wäre diese Wandlung so nicht eingetreten. Als Stadtführer durch Nowa Huta hat Julita einen fließend deutsch sprechenden Eingeborenen gewinnen können, bei ihm blieb keine Frage offen. Mittagessen gab es im skarbnicasmaku.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit der tramwaj zurück und gingen noch über einen Lebensmittelmarkt am nördlichen Ende des Rynek. Dort probierten wir Espresso-Tonic. Ich bin skeptisch, ob sich das durchsetzen wird.

Am Abend hat Julita für uns Live-Musik im Klezmer-Hois gebucht, das war richtig klasse. Es spielt die Band Sholem.

Wettermässig hätte es so weitergehenn können, leider kam es anders. Der Himmel weinte, das passte ein wenig zum Thema Auschwitz. Ich verweise an dieser Stelle auf unseren ersten Besuch im Muzeum. Koronabedingt ist jetzt einiges anders, der Keller von Block 11 war geschlossen, meiner Meinung nach ist das der schlimmste Teil des gesamten Rundgangs. Es gab auch einen neuen Teil mit Bildern der vernichteten Juden aus ganz Europa, die einem vor Augen führten, dass die Zeit der 30er Jahre auch schon bewegt und farbig war. Warum glaubt man das eigentlich nicht? Nach einer kurzen Pause im Bus fuhren wir dann noch nach Birkenau und liefen im strömenden Regen über das Gelände. Am Tag zuvor hat ein noch unbekannter Mensch ein antisemitisches Graffiti an eine Baracke gesprüht, da wurden gerade die Spuren beseitigt bzw. die gestrigen Besucher aufgefordert, Hinweise zu geben. Mehr Sachverhalt ist nicht bekannt. Die Führerin Alicja kannte die ganzen Zahlen über die Leistung der einzelnen Abschnitte auswendig. Aber die sind mir ja bekannt. Die Ermordung von 1,5 Millionen Menschen in Auschwitz bzw. 6 Millionen im Zeitraum bis Frühjahr 1945 insgesamt ist schlimm und diesem Gedenken stellen wir uns. Im Gedenken sind aber alle Opfer, auch die polnischen Widerstandskämpfer. Als Beispiel sei nur Wiktor Tolkin genannt, der Freund meines Schwiegervaters.  Wiktor hat in Danzig gewohnt und nach dem Krieg riesige Denkmäler in Stutthof, Majdanek und Kolberg errichtet hat. Die SS tätowierten ihm die 75886 in den Arm, aber er hat die schlimme Zeit überlebt. Wir haben ihn an Ostern 2013, kurz vor seinem Tod, noch einmal besucht.

Am Donnerstag liefen wir nach einer kurzen Einführung im Seminarraum und einer Besichtigung der Mykvah unseres Hotels,  zu Fuß zur ehemalien Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler. In den Gebäuden, die in Teilen auch als Kulisse für den Hollywoodstreifen „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg diente, befindet sich heute ein Museum der Stadt Krakau über die Zeit von 1935 bis 1946. Die Führung nahm dieses Mal Julita selbst vor, mit ihrem Radio versorgte sie uns unentwegt mit Information über die Ausstellung. Ein kleines Zettelchen mit einer Notiz von Roman Polanski, dem heutigen Regisseur, will ich Euch nicht vorenthalten:

Polanski hat als achtjähriger im Ghetto in Krakau geschrieben:

„Plötzlich  habe ich verstanden, wir sollten zugemauert werden. Es ist mir so Angst geworden, dass ich in Tränen ausbrach.“

Julita wies uns noch auf den Film Hometown hin, in welchem sich Polanski und Ryszard Horowitz, der jüngste Schindlerjude, treffen und reflektieren. Eine Vorschau zu youtube ist verlinkt. Der Film läuft gerade in Kinos in Krakau, könnte morgen noch klappen. Allerdings brauche ich einen mit Untertiteln. Die Mauer, an der sie in der Vorschau entlanggehen, ist die des Friedhofes, sie verläuft direkt unter unserem Fenster.

Nach dem Museum waren wir in Kazimierz im Lokal „Gellerübe mit Erbsen“, polnisch „marchewka z groszkiem“ zum Mittagessen. Das war jetzt wirklich der Spitzenreiter für die Woche. Sehr zu empfehlen. So gut, dass wir morgen gleich noch einmal hingehen. Nach dem obiad setzten wir den Rundgang fort und gelangten wieder auf die Szeroka, wo wir eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof besichtigten. Der Friedhof sah anders aus, als die mir bekannten. Das erklärte Julita damit, dass von den deutschen Besatzern nicht nur Synagogen zerstört, sondern auch Friedhöfe geschändet wurden. Die Grabsteine fand man nach dem Krieg in großen Mengen liegend wieder und richtete einige von ihnen auf, ohne dass man genau wusste, wohin sie gehörten. Mit den übrigen Steinen wurde die Friedhofsmauer innen befestigt. Die Gräber selbst darf man nach der Gesetzen nicht mehr antasten. So erklärt sich die Regelmäßigkeit der Anordnung. Schaut man sich den Friedhof in Worms an, sieht man eine ganz andere, fast zufällige Anordnung der Gräber und Steine. In der Synagoge waren wir auch, gleichzeitig mit einer riesigen Schulklasse, ich habe leider nichts mitbekommen.

Wieder draußen wies uns Julita noch auf die mehrere Jahrzehnte vergessene, gegen Kriegsende von den Nazis ermordete polnisch-ukrainische Lyrikern Zuzanna Ginczanka hin, von der sie ein Bild bei sich trug. Sie wurde vor ein paar Jahren wiederentdeckt und unter der Domain Ginczanka.de kann man ein paar ihrer Gedichte lesen, auf deutsch und auf polnisch.

Den Abschluß am Donnerstag machen wir in diversen Lokalen und Höfen, die als Kulissen im o.g. Film Verwendung fanden, auf die wir aber nie gekommen wären, selbst wenn wir den Film unmittelbar vorher noch einmal angesehen hätten. Die Dreharbeiten sind allerdings 30 Jahre her, da hat sich dann doch einiges verändert.

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte über die orthodoxen Juden verlieren, die ebenfalls im Hotel bei uns untergebracht sind. Ein komisches Volk. Sie erwidern keinen Gruß, ignorieren einem völlig. Erklärt hat uns das Julita damit, dass Frauen in deren Welt, stark vereinfacht, nur der Fortpflanzung dienen und ansonsten  keine Rechte haben. Geld für die Familie verdienen eventuell noch, da sie selbst die Tora studieren müssen. Mehr als ein Kopfschütteln können sie dafür allerdings von mir auch nicht erwarten. OK, eine Teilnehmerin meinte, die katholische Kirche sei ja auch nicht viel besser, da würde Frauen ja auch der Zugang zum Priesteramt verwehrt. Das stimmt zwar, hält aber meiner Meinung nach den Vergleich mit den Chassiden nicht stand.

Freitag, letzter Tag der Veranstaltung. Zu Besuch ist eine junge Frau aus Polen, Marta, 30 Jahre alt. Sie diskutiert mit uns über alle Themen, die gerade auftauchen und uns bekannt sind.

Migration: Polen nimmt keine syrischen oder aus anderen Gebieten kommenden Flüchtlinge auf, obwohl sie das sollten.

Verfassungsgerichtsentscheidung: polnische Gesetze stehen über den europäischen. In Deutschland und allen anderen Ländern Europas ist es umgekehrt.

Umweltpolitik: In Polen gibt es keine Kernkraftwerke, aber auch kaum Windkraft. Die meiste Energie kommt aus Steinkohle. Das Thema Pfandsystem hätte man noch ansprechen können, kamen wir aber nicht drauf.

Regierung: Mit Geschenken an die Bevölkerung hat die PiS die Wahlen gewonnen.  Rentenalter heruntergesetzt, Kindergeld eingeführt.

Nach der Diskussion schauen wir einen Film über das Leben der Tochter von Amon Göth an. Sie trifft in diesem Film ein der beiden im Haus von Göth tätigen jüdischen Mädchen, Helen Rosenzweig (+2018). Der Film wurde im BR ausgestrahlt. Mal schauen, ob er noch zu bekommen ist.

Bücher:

Stella Müller Madej: Das Mädchen von der Schindler-Liste

Matthias Kessler: Ich muss doch meinen Vater lieben

Jennifer Teege: Amon, mein Großvater hätte mich erschossen

Wer noch einen Buchtipp hat, kann ihn mir schicken, den würde ich ergänzen.

Es folgte noch die Feedbackrunde und Teilnehmerbögen, dann machen sich die ersten schon langsam auf dem Heimweg.

Fazit

In Krakau habe ich eine der interessantesten Wochen überhaupt erlebt. An vielen der besuchten Orten war ich bereits früher einmal, aber die nochmal zu sehen, mit Radio Julita, das war wirklich außerordentlich interessant. Julitka, wir kommen wieder! Liebe Seminarteilnehmer, ich spreche auch im Namen meiner Frau, es war uns eine große Freude die Woche mit Euch zu verbringen.

update:

Gaby S., meine Klassenkameradin aus den ersten VHS-Polnisch-Kursen teilte mir heute mit, dass sie schon zweimal mit Forum Unna unterwegs war und zwar in Danzig und in Krakau. Reiseleitung war jedes Mal — Julita. Die Welt ist ein Dorf

 

 

 

 

 

 

Schwarzwald im Herbst

Es hat sich einiges getan, seit wir das letzte Mal im Schwarzwald waren. Bad Wildbad hat ein paar neue Attraktionen bekommen: Einen Baumwipfelpfad und eine Hängebrücke. Das grottenschlechte, von Erzschwaben geführte Hotel Valsana am Kurpark ist endlich geschlossen. Hoffentlich sitzen die beiden gräßlichen Weiber (Rothfuss) von damals auf der Straße. Oberstudienrätin war die Mutter, das ist mir gerade wieder eingefallen. Fürchterlich.

Wettermäßig haben wir es gut getroffen. Es ist überwiegend trocken, allerdings nicht warm, aber auch dafür gibts Bekleidung. Ein paar der Wege kennen wir noch vom letzten Besuch, da musste ich erst mal nachsehen, das war 2013. as times go by.

Da uns die meisten Hotelfrühstücksangebote nicht mehr zusagen und wir eh nur noch ein weiteres Mal Nahrung zu uns nehmen haben wir gleich eine Ferienwohnung genommen, ein Einzimmerappartement am Südhang. Während beim letzten Mal der focus noch auf dem MTB lag, haben dieses Mal doch die Wanderschuhe Vorrang. Die Steigungen sind doch ein Stück knackiger als im Taunus, aber mit denen der Alpen am Königsee nicht zu vergleichen. Aber immerhin, es reicht, dass die Beine brennen und wenn man nach einmal hochfahren nicht müde ist, muss man halt wie damals schon unser Kumpel Dr. Specht sagte, noch ein paar Kniebeugen machen.

So waren wir schon auf der Wildline-Hängebrücke, allerdings nur auf dem östlichen Brückenkopf:

Allerdings war die Sicht an diesem Tag nicht so gut, dass wir uns die 9 EUR aufgehoben haben, für einen Tag mit mehr Sicht. Im Prinzip ist der Weg drumherum (also über Festland) nur 100m weiter, die Brücke hängt direkt am Ende eines Tales.

Und auf der Grünhütte waren wir vergangene Woche auch:

Das nennt sich Blaubeerpfannkuchen. Dafür ist die Grünhütte (Montags Ruhetag) berühmt. Ein tellergroßer, im tiefen Fett gebratener Pannekuche, mit Zimtzucker bestreut und dazu eine Suppenkelle Heidelbeerkompott. Da braucht man sonst nichts mehr, der sättigt. Liegt aber auch eine Zeitlang im Magen.
Wir hatte die Maultaschen in der Brühe vorneweg, aber das war nicht so viel, und nach 15km konnten wir auch wieder Energie tanken.

Worauf ich große Lust hatte war Schwarzwälder Kirschtorte. Die gabs am Samstag.

Es ist mit Highlander vergleichbar. Der Film wird von Leuten meines Jahrgangs immer wieder zitiert (es kann nur einen geben, blabla) und wir waren in den 80ern ganz jeck drauf, aber den kann man heute nicht mehr sehen, Handlung, Schnitt und vor allem Klischees und Vorurteile die da bedient werden, das braucht man nicht mehr. Was hat das mit Schwarzwälder Kirschtorte zu tun? Nun, ich brauch keinen Schnaps mehr im Kuchen. Schmeckt mir nicht mehr. Haken dran. OK, die Eierlikörtorte versuche ich nochmal, eine Chance hat jeder Kuchen. zobaczymy.

Die größte Bank des Schwarzen Waldes steht ausserdem hier:

geht auch für Klimmzüge.

Baumwipfelpfad Schwarzwald, Bad Wildbad. Eine neue Sehenswürdigkeit in der Gegend. Wir buchten die Vollmondführung, leider ohne sichtbaren Mond, Wolken schoben sich davor.

Die Führerin Frau Göbel erzählte dann allerhand interessantes über den Baumwipfelpfad und seine Entstehung und natürlich über den Mond. Die technischen Fakten stehen auch direkt am Eingang auf einer Tafel. Wieviel Beton und Stahl verbaut wurde. Im Wald. Ja, auch das gehört zur Wahrheit dazu, diese neuen Besuchermagnete sind Investments. Firmen/Personen investieren Geld und erwarten eine Rendite. Je mehr Besucher, desto mehr Geld/Rendite bzw. schnellere Rendite ist zu erwarten. Beeindruckend ist die Anlage schon, der Turm am Abschluss ist 40m hoch und bewegt sich die ganze Zeit. Jeder, der eine Karte löst (11 EURO plus 4 EUR für eine eventuelle Führung) ist einer mehr, der es vom Sofa in den Wald geschafft hat, das ist schon mal positiv. Aber dort hoch, und die Anlage liegt +/- auf 720m Höhe, also von Wildbad aus sind lediglich 250 Höhenmeter zu überwinden, schaffen es die wenigsten zu Fuß, der Parkplatz ist voll. Auf dem Heimweg waren wir dann alleine im Wald.

Für die Hängebrücke gilt das gleiche. Ja, auch das war Bestandteil des Referates. Jeder Besucher isst hier noch ne Wurst, trinkt einen Kaffee oder übernachtet gar in der Nähe, sorgt also für Umsatz in der gebeutelten Touristikbranche. Und der Parkplatzwächter verdient auch was, wenn er auf die SUVs aufpasst. Aber es gäbe auch eine Sommerbergbahn, mit der man smart für keine 6 EUR hoch- und wieder runterfahren könnte.

Ich gebe hier nur meine Beobachtungen wieder, ich bin weit entfernt vom verurteilen. Ich bin aber von der Exekutive.

Jetzt nochmal was schönes. Am letzten Tag waren wir mit den Rädern unterwegs, ungefähr auf den Spuren des Enztalmarathons. In der Nähe des Kaltenbronn-Moores gibt es einen schönen Ausblick, den Dobler-Blick, da haben wir eine schöne Schaukel entdeckt, aber seht selbst:

Meine Anna hat das Bild gemacht, von mir sieht man nur einen schmalen Abschnitt des Kopfes, kann sein, dass ich gerade kurz auf der Schaukel eingenickt war.

Weimar TATORT unfassbar grottenschlecht

Komisch, unerwartet und absolut sehenswert. So schreibt SWR3. Jesus H. Christ, was haben sich die  Schreiber des Senders da nur gedacht, den Streifen mit den beiden Schmalspur-Komödianten Ulmen und Tschirner mit 5/5 Elchen zu bewerten? War Alkohol im Spiel? Oder gar noch was schlimmeres?  Das Werk ist den Begriff Film nicht wert, die Handlung an den Haaren herbeigezogen, die Dialoge sind sinnlos, die Hauptdarsteller sind die ganze Zeit am nuscheln und finden das cool. Sich die Folge via Festplattenrecorder nochmal anzuhören, hilft auch nicht wirklich, dann hat man die Phrasen mit Mühe verstanden, sie sind aber trotzdem sinnlos und stehen alleine im Raum. Schlimm. Ohne Mobiltelefon oder Auto schaffen die Macher keine Szene mehr zu beginnen oder zu beenden. Geparkt wird direkt vor dem Haupteingang des Krankenhaus. Sicher. Und auf Verdacht in der Wohnung des ersten Mordopfers anzurufen und zu hoffen, dass die Kollegin, die gleichzeitig die Ehefrau ist, ans Telefon geht, wer soll denn so einen Unfug glauben? Mit Tatort hat es nichts mehr zu tun, mit Unterhaltung aber leider auch nicht.

<update>mit in die Haftung müssen ausser den beiden nuschelnden Hansels auch die „Macher“ dieses Nicht-Werkes gezogen werden, also diejenigen, die sich den BS haben einfallen lassen</update>

Da möchte man die Rundfunkgebühren von der GEZ gerne zurücknehmen, geht aber nicht. Gut, die Figur des Lessing ist jetzt gestorben. Vermutlich kommen die Autoren jetzt auf die Idee, ihn dann als Geist in den kommenden Folgen auftauchen zu lassen. Sollen sie ruhig, ich schau die nicht mehr an. Weimar ist Zeitverschwendung. Die Sendungen aus Münster und München sind die letzten der Mohikaner. Letztere machen dieses Jahr die 30 voll. Respekt. Rein altersmäßig müsste der Batic schon pensioniert sein. Wenn die alle im Ruhestand sind, lass ich das Fernsehen aus.
Jedenfalls habe ich mir meine Meinung einmal von der Seele geschrieben, das ist mein Blog, da kann ich das.

Optimalfrühstück

Dieses Frühstück ist so gut, das Rezept muss ich weitergeben. Nach einem frischen Apfel und (wenn die Zeit es zulässt) zwei weichgekochten Eiern gibt es die folgende Komposition:

40g Haferflocken (einmal pro Woche selbst gequetscht)
40g Nuss- und Kernmischung (Para-, Hasel-, Wal-, Pecannüsse, Mandeln, Kürbis- und Sonnenblumenkerne)
40g Rosinen
1 Banane, die wiegt ca. 120g
1 Becher Quark, 20% Fett, genau 250g
1 Karotte, frisch gerieben, auch ca. 120g
je ein Teelöffel Chia- und Hanfsamen, Amaranth gepufft und Sesam.
Damit es sich mischen läßt, ein halbes Glas Wasser.
Man kann täglich mit einer Passionsfrucht, einer Handvoll TK-Himbeeren, Brombeeren variieren, dann bekommt das M. auch immer eine andere Farbe, neben dem Geschmack.
Das Müsli hat ca. 1050kcal, mit den zwei Eiern und dem Apfel sind es 1270. Damit ist der Hunger für die nächsten 6h  kein Problem.

Weissbrot und nussig-schokoladiger Brotaufstrich

Weißbrot:

2 Tütchen Trockenhefe
1TL Salz
1TL Zucker
600g weißes Mehl (Type 550)
350ml kaltes Wasser

alle Zutaten in die Knetmaschine und einen Teig kneten. Diesen in eine größere bemehlte Plastikdose legen und im Kühlschrank bis zum nächsten Morgen liegen lassen.

Dann Backofen aufheizen auf 220 Grad Celsius. Wer Dampfeinspritzung hat, die dazuschalten, die anderen stellen eine Tasse mit Wasser in den Ofen. Teig auf dem Backblech auseinanderziehen und 30-35 Min backen, fertig.
Rezept ist von meiner Kollegin R.! Danke!

Brotaufstrich:

100g Pecannüsse
40g Rosinen
2TL Honig
30g Butter
2TL Kakaopulver zum backen

Nüsse rösten, abkühlen lassen, alles in den elektrischen Hacker geben, in mehreren Stufen klein hacken. Ich hatte die Nüsse vorher in der Trommelreibe gerieben, das ging sehr leicht. Die Masse lies sich auch sehr einfach aus dem Hacker nehmen.

Ich empfehle anschließend eine Runde mit dem Fahrrad zu fahren, biologisch mechanisch, nicht unter 2 Stunden, nicht unter 1000 Hm, sonst darf man an diesem Tag nichts mehr essen.

Rennsteig und Eisenach im Herbst 2020

Als der Termin für die Beisetzung meiner Tante auf Anfang Oktober gelegt wurde, überlegten wir, wie wir das am besten mit dem genau in dieser Zeit eingereichten Urlaub verbinden könnten. Wir entschieden uns dafür, in der Nähe des Friedhofes eine Unterkunft zu suchen und die Zeit davor und danach für Ausflüge im Thüringer Wald zu verwenden, so wie ich das bereits in den 80er Jahren gemacht hatte. Zu dieser Zeit lebte Hulda noch in Eisenach und ich war dort regelmäßig zu Besuch, damals noch unter anderen Umständen. Wir erinnern uns…

Nachdem keine Ferienwohnungen in Bad Liebenstein mehr zu bekommen waren, buchten wir das 5 Tage-Paket im Waldhotel Rennsteighof. Es liegt nur wenige hundert Meter vom Rennsteig entfernt. Hat man ihn erreicht, ist man nach 7km auf dem Inselsberg und nach ca. 20km in die andere Richtung auf der Hohen Sonne. Apropos Sonne, die war für diese 5 Tage nicht vorhergesagt, das wussten wir aber schon vor der Abfahrt und hatten entsprechend warme und regendichte Sachen eingepackt.

So konnten wir am Dienstag die Tante in Eisenach beerdigen, waren danach noch mit der Familie essen. Und an den Tagen davor und danach haben wir die Erinnerung wachgehalten und waren auf dem Rennsteig und in der Nähe mit den Rädern und den Schuhen unterwegs. Letztendlich war das das beste, was wir tun konnten. Die zurückgelegten Touren im Wald waren toll, Erinnerungen lebten auf. Die Entfernung nach Eisenach am Dienstag war nicht zu groß und die Unterkunft im Hotel super. Lecker Frühstück und Abendessen und sehr nette zuvorkommende Menschen haben den Aufenthalt zur bleibenden Erinnerung gemacht. Hier kommen wir bestimmt nochmal hin, vielleicht zu einer anderen Jahreszeit. Und der Thüringer Wald ist sowieso sehr zu empfehlen.

Finanzamt und Mathematik, hier: Rheingau-Taunus

Die Einkommensteuererklärung war relativ schnell erledigt, allerdings sollte ich noch eine Anlage authentifiziert nachliefern. So schrieb mir das FA Rheingau-Taunus und teilte mir meine Steuernummer in der Sache mit, wohlwissend, dass ich vorgenannte Steuererklärung mit Elster gemacht hatte, so wie seit 2014 jedes Jahr.

Im Schreiben des Finanzamtes enthalten war die Bitte, dies innerhalb vier Wochen zu erledigen. Außerdem enthielt das Schreiben einige Hinweise auf die Mitwirkungspflicht, was passiert wenn… (man wird geschätzt, wenn man nicht antwortet)

OK, ich setze mich ans Elster, gebe die Steuernummer ein, so wie mitgeteilt. Passt nicht. Der erste Block in Elster hat nur drei Stellen, mitgeteilt wurden aber vier (2604). Ich kürze und versuche die Nummer passend zu machen. Klappt natürlich nicht. Meine Wut auf das Finanzamt steigt von Minute zu Minute. Elster hat keine Hinweise, google auch nicht, anrufen kann ich mir sparen, das geht nur während der Sprechzeiten, zu diesen Zeiten gehe ich allerdings selbst arbeiten.

Dann klappt es doch, ich gehe einmal eine Stunde später zur Arbeit. Ich rufe an, mein Sachbearbeiter ist natürlich nicht da, aber jemand spricht mit mir. Ich schildere mein Problem (mitgeteilt vier Stellen, erster Block in Elster fasst max. drei Stellen). Aber auch der Mitarbeiter eiert rum und kommt nicht drauf, dass man mir das vereinheitlichte Bundesschema mitgeteilt hat, von diesem die ersten beiden Stellen gelöscht werden müssen, dafür muss noch eine Null vorangestellt werden, so dass im Elser der erste Block so aussieht: 004. Langes Ausprobieren ist notwendig, bis wir zusammen die Lösung finden.

Der ein oder andere merkt es bereits. Jeder, der das liest kann sich an dieses Kapitel in der Grundschule erinnern, als der Lehrer fragt, möchtet ihr lieber 004DM, 040DM oder 400DM. Es stellte sich damals schon heraus, dass führende Nullen nichts wert sind, sofern nicht noch ein Komma kommt. Nicht so beim Finanzamt. 004 ist nicht das selbe wie 04 oder 4. Elster nimmt es nicht an. Nun können die Mitarbeiter des Finanzamt in SWA nichts dafür, allerdings müssen sie meine Empörung aushalten. Ich beschwere mich e-schriftlich. Daraufhin erklärt mir die Mitarbeiterin G. papier-schriftlich und umfänglich den Unterschied zwischen den persönlichen Steuernummern, denjenigen im vereinheitlichten Bundesschema und im Standardschema des Landes Hessen. Sie schreibt außerdem, ich solle dringend einer der angegebenen Nummern verwenden, wenn ich mich mit einem Anliegen an das FA wende. Welche ich verwende sei unerheblich. Dann, im letzten Satz, wir befinden uns mittlerweile bereits auf Seite 2 des Schreibens, gibt sie an, dass im hessischen Schema noch eine Null vorangestellt werden muss, um im Elster die Steuernummer einzugeben. Und die Abteilungsleiterin  J. unterschreibt das auch noch.  Ich bin fassungslos.

Nochmal: Die Mitarbeiter in SWA können nichts dafür, so etwas wird in Berlin, hilfsweise in Wiesbaden, festgelegt.

Dies ist eine wahre Geschichte, passiert im August/September 2020.

Polen im Sommer 2020, Warschau und Leba

So viele Besonderheiten gab es noch nie zu beachten. Wir fahren mit einem krachneuen Auto nach Polen, dort herrscht Korona, gleich am ersten Sonntag gehts zur Präsidentenwahl und wir haben dieses Mal nicht unsere Standardunterkunft in Reduta sondern eine andere Bude gebucht, dazu gleich mehr.

Der neue Wagen läuft wirklich super. Ja, auch wenn ich mich nicht so wirklich für Autos begeistern kann und auch noch ein Stück weit an meinem alten Peugeot Partner hänge, der immerhin fast 19 Jahre zuverlässig gearbeitet hat, so muss man doch eingestehen, dass die Entwicklung weiterging und es mittlerweile 6-Gang-Getriebe, Tempomat und Klimaanlage gibt. Letzteres war noch nicht in Betrieb, das soll aber noch kommen, sagt die Wettervorhersage. Tempomat ist toll, das entlastet das rechte Bein schon merklich. Und die 130 Pferde ziehen auch besser als die 90 vorher. Für ein neues Auto müssen fünf Sätze reichen, ist ja schliesslich kein Fahrrad.

Also dann das Hotel. Wir entschieden uns nach Aktenlage für eines mit Namen West-Hotel. Können wir nicht ernsthaft weiterempfehlen, es sei denn, ihr bringt Euch Feudel, Staubsauger und abwechslungsreiches Frühstück mit. Der Ascher vor der Haustür macht jedes raus-und reingehen zum Genuss, da die Montagearbeiter dort die Fluppen nur reinschubsen, aber nicht ausdrücken. Lecker. Mehr brauchts wohl nicht zum wegklicken.

Gleich am ersten Tag hatte meine Schwiegermutter Geburtstag, allerdings kamen Korona- und vermutlich auch PIS-bedingt nicht so viele Besucher, so dass wir im ganzen zu viert waren, beim Mittagessen im Restaurant. Egal, es war nicht weniger herzlich und sie hat sich über die Gesellschaft und die Geschenke gefreut.

Warschau hat mir jetzt gar nicht so schlecht gefallen, allerdings fallen wegen der Seuche alle Merkwürdigkeiten (meine Lieblingsübersetzung eines Flyers  zu den dortigen atrakcje aus Kudowa Zdroj) aus, Fontaenen freitags und Chopin-Konzerte Sonntag um 12 und 16 Uhr. Die Gastronomie funktioniert aber schon wieder so dass wir doch jeden Tag woanders ausgehen konnten.
Zu empfehlen sind hier das Folk Gospoda in der Grzybowa und das „U Lotnikow“ in der Krasinskiego 56 in welchem die Freundin meiner Schwiegermutter als Köchin arbeitet.

Im ÖPNV soll man eine Munaske tragen, das ist aber nicht durchgängig der Fall. In Geschäften wird es weitgehend eingehalten, je kleiner desto besser. Es gibt nirgends Sanktionen. Es gibt aber auch keine Zahlen, und noch weniger Tests. Alles läuft so gefühlt nach §3 des Kölschen Grundgesetzes „et hätt noch immer jot jejange.“

Bei der Präsidentenwahl am Sonntag war dann allerdings Munaske Pflicht, ich habe meine beiden Wählerinnen zum Wahllokal begleitet, bin aber draussen geblieben und habe auf den Hund aufgepasst. Die Urnen sind aus Plexiglas, so dass man auf Wahlzetteln, die sich nach dem Einwerfen entfalten, auch erkennen kann, was angekreuzt wurde. Ob das in Deutschland auch ginge, weiß ich nicht, ich glaube eher nein.

Also bei der ersten Wahl hat die PiS gewonnen, am Sonntag nach unserer Heimfahrt kommt die Stichwahl, da wird meine Frau wohl nicht mit abstimmen, da sie weder in WAW noch in Köln ist. Schwierig, dabei ist jede Stimme wichtig.

Jetzt sind wir in Leba, (stellt Euch das L mit einem diagonalen Strich vor, das gibt mein Zeichensatz leider nicht her) ausgesprochen Weba. Hier haben wir eine Apartment angemietet, das ist super, wir sind viel draussen und ab morgen soll dann auch das Wetter besser werden und wir können an den Strand. Heute machten wir bereits eine Wanderung im Schilf, siehe unten

Die Verpflegung ist super, die erste Bank ist bereits aufgrund des hohen Gewichtes unter mir zusammengebrochen:

mit dem Fatbike am Strand. Ginge hier auch mit schmaler 2“ Bereifung. Der Sand in Leba ist sehr fein und am Wasser stark verdichtet. Wir hatten Westwind, da kann man es richtig krachen lassen. Für das Bild bin ich mal kurz gegen den Wind gefahren, in Richtung der untergehenden Sonne. Gemacht hat das Bild meine Anna. Danke! Also, nicht dass jemand meint, wir kommunizieren nur per Netz, ich hab es ihr auch gesagt.2

West-Hotel Warschau, Warszawa, booking.com, feedback

Nein, zu empfehlen ist das wirklich nicht, das West-Hotel. Die Bewertungen bei booking haben wir abgegeben, müssten hier noch zu sehen sein. Gleich nach unserer Ankunft haben wir an der Rezeption nach der Putzfrau verlangt, da die Regalböden total verstaubt waren. Sie kam dann an, die Gastarbeiterin aus Weisrussland, sprach schlecht polnisch,  war nur mit einem Lappen bewaffnet, kein Eimer mit Wasser oder so. Sie war schon mürrisch, hat dann gefragt was los sei. Wir haben ihr den Schrank gezeigt, dann hat sie die Bretter abgewischt. Das oberste konnte sie nicht erreichen, da war sie zu klein. Von der Fensterbank wussten wir damals noch nichts. Da ist alles verstaubt. Während der 5 Tage hat dort keine Service-kraft den Raum betreten. Warum ich das hier schreibe? Nun, wie die Einträge bei booking behandelt werden, weiss ich nicht, meinen Blog kann keiner administrieren. das war damals schon beim Pfusch (saarländisch Knaup/Knaub) des Kaminbauers Stachel so. Der hat nach einen Jahr auch gemerkt, dass die Leute im Internet nach Bewertungen seines Unternehmens gesucht haben und hier fündig geworden sind.

Also, für das Hochwasser vor dem Hotel kann keiner etwas, die beiden Mädchen von der Rezeption und vom Frühstück (Weissrussen/Litauer) und der junge Mann (vermutlich Pole, sprachlich jedenfalls kein Gastarbeiter) waren total freundlich, die können auch nichts für das Gesamtbild des Hotels. Mit etwas mehr Engagement beim Putzen und etwas mehr Abwechslung beim Frühstück wär das alles kein Problem. die identischen Teller mit der Pfirsichmarmelade kann man nach drei Tagen nicht mehr sehen.

Und wenn man sich eine goldene Nase verdient hat, kann man nach ein paar Jahren auch mal die Matraze wechseln.

Gates Carbon Riemen richtig spannen

Dabei wollte ich nur weg vom Öl und vom Dreck. Wartungsfrei und sauber sollte es sein, das neue Antriebssystem meines Fahrrades, ein Fatbike von Mi-tech.de mit Pinion P1.18 Getriebe. So voll umfassend informiert hatte ich mich nicht, die Videos von rad-lager.de und die Infoseite über Vor- und Nachteile von Zahnriemen hatte ich nicht gesehen. Ich bin schon davon ausgegangen, dass diese neue Technik gut sein muss. Vom Pinion bin ich auch immer noch überzeugt, vom Gates Zahriemen nicht mehr so ganz. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass er zur Zeit nicht mehr so richtig eingestellt ist.

Es ist klar, der Riemen verträgt keine Ungenauigkeit bei der Flucht der beiden Zahnräder. Nicht nur dass beide parallel zueinander stehen müssen, sie müssen auch genau hinterneinander liegen. Das habe ich mit einem Aluminiumlineal in V-Form hinbekommen. Wichtig dabei ist, dass man die Ruhe- und die Lastsituation beachtet. Die Lage verändert sich unter Last etwas. Idealerweise kommt das System unter einer gewissen Last genau zur Flucht.

Dann muss die Riemenspannung stimmen. Die Methode, mit einer App und einem Mikrofon anhand des Anschnipsens des Riemens einen Sound zu erzeugen, der dann Angaben zur Spannung gibt und mit die App mit einer Ampel angibt, ob die Spannung stimmt, halte ich für Magie (Illusion). Ein Gewicht in die Mitte des Riemens zu hängen und die Ablenkung aus der Waagerechten zu messen klingt für mein Verständnis schon deutlich präziser, wenn man denn eine Tabelle hätte, die dazu Angaben macht.

Das Foto zeigt die vorletzte Version des selbsgebauten Tension-Tools. In der fertigen Version ist am oberen senkrechten Stück noch ein kurzes Stück eines Klappmeters angeschraubt, um die Auslenkung sofort ablesen zu können. Den Becher habe ich deswegen genommen, um über die Schraubenfüllung möglichst genau an ein definiertes Gewicht heranzukommen.

Momentan sind die beiden 39 Zähne-Räder in der Flucht, der 125 Zähne-CDX-Riemen ist gespannt. In der Mitte des waagerecht ausgerichteten Riemens hängt ein Gewicht von einem Kilogramm. Die darauf wirkende Gewichtskraft lenkt den Riemen um 12mm nach unten aus. Jetzt wird die Runde am kommenden Samstag zeigen, ob ich so fahren kann oder nicht. Letztendlich ist die Spannkraft ja nicht wichtig, das Ergebnis in der Form „derzeitige Spannung ist zum fahren gut/schlecht/gar nicht geeignet“  ist wichtig. Und darüber kann man sich ja eine eigene Tabelle bilden. Wenn dies hier jemand liest und diese Erfahrungen schon hat, darf der/diejenige mir das gerne schicken.

Tabellen von Gates über das Gewicht des Tools und die dabei erfolgte Auslenkung des Riemens habe ich noch nicht gefunden. Bei meinem bevorzugten bike-Versender habe ich die beiden Größen angefragt, aber ob die sich die Mühe machen, das Tool zu wiegen und auszumessen glaube ich nicht wirklich.

Ich will die nervigen Geräusche wegbekommen. Gegen den Staub am Riemen hilft ein Wasserstrahl aus der mitgeführten Trinkflasche. Einmal hat mir ein Schrauber den Riemen mit Silikonspray eingesprüht, das war auch eine Zeit lang ganz gut.

Irritiert bin ich allerdings immer noch vom höheren Kraftaufwand des im ersten Absatz verlinkten Videos von Georg Schmeisser. Da kann man eigentlich nicht guten Gewissens zum Riemen greifen. Und davon bin ich nicht weit entfernt, Ketten und 2 gleiche Ritzel mit 104mm Lochkreis sind noch in der Ersatzteilkiste.

So ähnlich hat das Georg Schmeisser an einem Kunden-Fatbike von Nicolai gemacht, leider wurde das Video schon nach 4 Tagen wieder entfernt.

Es geht weiter…

Rüdiger Nehberg (+ 01.04.2020)

Bereits als Jugendlicher besaß ich ein Buch von ihm, mit Überlebenstechniken, lange vor der Erfindung der Prepper. Er konnte toll erzählen, die Geschichten brannten sich im Gedächtnis fest ein. Das war ein Teil der Kindheit, der mich begeisterte.

Bill Withers (+ 31.03.2020)

Es braucht nur zwei Takte, dann erkennt man seine Stücke auf Anhieb. Seit ich sie nicht nur hören kann, sondern auch spielen, bin ich ein Riesenfan von Bill Withers. „Just the two of us“ ist mein Lieblingswerk. Hoffentlich gibt es ein Wiedersehen im Musikerhimmel.

Schalte, Zeite, Unterhalte… wie bitte?

Hat er zu Zeiten der Seuche keine anderen Probleme, könnte man sagen. Doch hat er, zur Genüge. Trotzdem darf mir das Geschwafel von den Schalten oder der Schalte doch auf die Nüsse gehen. Wieso Schalte? Das ist doch eine Schaltung. Etwas wird zusammengeschaltet. Und nicht geschalten, ihr Ossis.

Ich vermute, das kommt aus Berlin. Lass uns das nachher in der Schalte besprechen, wa? Det is kuhl. Auch bei SWR3, alle vier Wochen für zwei Wochen morgens von 5-9 mein Lieblingsradiosender, wird das Wort verwendet. Also Journalistensprech, ich würde sogar sagen, übelster Journalistenjargon. Unerträglich. Nachdem ich die angeschrieben habe:
„Verehrte Damen und Herren im Sender. Wenn Sie freundlicherweise das Wort Schalte nicht synonym für Telefon- oder Videokonferenz einsetzen würden, wäre ich Ihnen sehr verbunden. Das ist übelster Journalistenjargon und hat mit deutscher Sprache nichts zu tun. Dieses Wort gibt es einfach nicht. Danke, Freundliche Grüße“
antwortete mir ein Jens:
https://www.duden.de/rechtschreibung/Schalte

Ja, das Wort steht auch im Duden, aber deswegen wird es doch nicht richtig.
Ja, Sprache wandelt sich. Deswegen muss man aber nicht alles mitmachen.

Auf meine Entgegnung, „(Berliner) Journalistenjargon bleibt es trotzdem. Und im Kern ist es, das Wort, falsch. Wenn überhaupt müsste es Schaltung heißen, wie am Fahrrad oder Auto. Geschaltet wird aber nichts mehr. Darauf zielt es ja ab. Es sind Einwahlkonferenzen, sowohl Video als auch Telefonie. Und damit ist es noch nicht mal cool sondern albern“, passierte nichts mehr. Ich gelte damit wohl schon als Vielschreiber. Wer ganze Sätze schreibt ist von gestern. Oder noch älter.

<update>besonders populär ist das Wort seit ein paar Wochen in meinem Kollegenkreis. Bei dem einen, weil er mit einem Journalisten verwandt ist, bei dem anderen, weil er quasi den ganzen Tag in Telefonkonferenzen oder Videokonferenzen sitzt. Wie der die nennt? Hör mir auf.</update>

Also, Schalte gibts nicht, ich mache darüber jetzt auch keine längere Abhandlung. Das Papier mit den Buchstaben heisst genausowenig Zeite und das Gespräch ebensowenig Unterhalte. Zeitung und Unterhaltung sind die richtigen Begriffe. Ende des Gesprächs.

Bikemarathon Swieradow Zdroj aka Bad Flinsberg

Zufällig lasen wir Mittwoch vom Bikemarathon, welcher dieses Wochenende hier stattfinden soll. Im Juni waren wir ja schon einmal in der Gegend, damals direkt in Swieradow, aber es hätte natürlich keiner vermutet, dass wir im September noch einmal zwei Wochen, in einer anderen Unterkunft, verbringen würden. Die Anmeldung über das Internet gestaltet sich gar nicht mal so schwierig, es gibt einen Preis für alles, man kann mit BLIK bezahlen, ein Service, den ich aus Deutschland so nicht kenne. Gestern haben wir dann die Startnummer abgeholt. Heute dann der Start. Die Voraussetzung hätten nicht besser sein können. Blauer Himmel, 15 Grad Celsius, das reicht für kurz. Die Tage davor hatten wir noch 8 Grad, dann siehts ja schon anders aus. Insgesamt starteten ca. 900 Menschen, verteilt auf vier Distanzen. Ich entscheide mich für die 52km Distanz, mit einer Deadline von 1:40h bei km17. Schafft man die nicht, wird man zur Classic (25km) umgeleitet. Dann wäre das Rennen schon nach knapp 1,5-2h vorbei. Aber die Sorge war nicht berechtigt, die 17er Marke passierte ich nach 1:12h es lief richtig gut. Die polnischen Streckenplaner haben zwei echt schwierige Abfahrten eingebaut, die verdienen den Namen nicht wirklich, es waren eher Abschieben. Selbst mit dem Fatbike war mir das nicht geheuer, ich habe während dieser beiden Passagen ein paar ganz interessante polnische Wörter gelernt, die kann ich hier nicht wiedergeben, alleine schon, weil mir hier die Zeichen fehlen. Und knackige Steigungen gabs auch, die machen mir aber deutlich weniger etwas aus, dafür gibts ja eine Gangschaltung. Auf diese Weise kam ich zu einer wunderbar geführten dreieinhalbstündigen Tour in Niederschlesien, mit leicht erhöhtem Puls und einer ganzen Menge an netten Kontakten.  Die Organisation war sehr gut, vom Wettkampfbüro, über die Startnummernausgabe und die Verpflegung auf der Strecke. Ob ich es noch erlebe,  dass auf solchen Rennen etwas weniger Müll ausserhalb der Buffet-Zonen weggeworfen wird, wird sich zeigen. Im Ziel wurde ich von meiner Anna erwartet. Kann es etwas schöneres geben? Sie hat auch das folgende Foto gemacht. Das war ein wunderbarer Tag.

vor dem Start

im Ziel. Meta (poln. für Ziel)

Militär-Orchester Wettbewerb

Ebenfalls an diesem Wochenende fand in Swieradów ein Wettbewerb polnischer Militärkapellen, bzw. -Orchester statt. Zufällig hörten wir Musik aus der Wandelhalle des Kurhauses und schauten uns die restliche Probe und das Programm an. Um 19 Uhr ging es los, das Orchester aus Rzeszów (gesprochen Scheschuf) spielte. Als erste Stücke wurden der NATO-Marsch und Valerie von Amy Winehouse dargeboten. Dann folgten, ebenfalls mit Gesang, zwei Stücke aus Bond Filmen, Skyfall und Goldfinger. Ich hatte aber in den Proben zwei Stücke gehört, die wollte ich nochmal hören, die waren so sensationell gespielt: Take the A Train von Duke Ellington und The Chicken von Jaco Pastorius. Den Namen des zweiten Stückes erfuhr ich erst wieder abends. Ich hatte das Stück schon mehrfach gehört, kam aber nicht auf den Titel.

Abends dann der Auftritt der Band, alle in Uniform. Bandleader eine Frau, Agata Cwiklak (Auf das C muss ein Strich) die einzige Frau in Polen beim Militär, die eine Band leitet. Also es sollte mich nicht wundern, wenn die den Wettbewerb nicht gewonnen hätte. Beim Auftritt wurden mindestens ein Dutzend Telefone hochgehalten, da müsste doch wenigstens einer dabei sein, der die Titel zu YT hochlädt. Ich werde berichten, wenn ich was finde. Und meinen Bandleader Fritz werde ich mal fragen, ob er nicht The Chicken für uns arrangieren könnte. Er hat ja Zeit tagsüber…

Noten vom Stück, also für Sax, hab ich.

Pastorius ist ja bereits 1987 verschieden, spielte als E-Bassist in einer Band mit, „Wheater Report“. Von der Band stammt das Instrumentalstück „Birdland“, welches wir auch einmal im Repertoire hatten. Kein echtes Swing-Stück, aber hören kann man es schon ab und an mal.